- Editorial
Quantitativ und qualitativ
01.09.2025
Editorial
Quantitative Methoden 1 und 2, qualitative Methoden 1 und 2: Als ich Ende der 1990er-Jahre an der Universität Bern startete, war die methodische Grundausbildung des Geografiestudiums sauber aufgeteilt. Die klassische, integrale Geografie und ein umfassendes Verständnis für das Mensch-Umwelt-System waren seit Jahren erfolgreich unterrichtet worden. Sie bildeten das Rückgrat für die moderne Formulierung «nachhaltige Entwicklung». Dem Zeitgeist entsprechend wurden die Unterrichtseinheiten atomisiert und organisatorisch zweigeteilt. Die Studierenden wurden arg getestet: Während sich die einen durch multiple Regressionsgleichungen kämpfen mussten, scheiterten andere an der Formulierung von Fragen für eine fundierte sozialgeografische Umfrage – deduktiv reduzierend gegenüber induktiv suchend nach der Erklärung des grossen Ganzen.
Heute fällt mir beim Durchblättern der neuen Ausgabe der SZF auf, dass die einen mit grossem Engagement nach statistisch signifikanten Zusammenhängen suchen für einen – aufgrund von Erfahrungswissen seit Jahrhunderten belegten – Einfluss von Himmelskörpern auf die Qualität von geschlagenem Holz. Die anderen analysieren quantitative Indikatoren zum Holzvorrat, zu Zuwachs und Verlust im Landesforstinventar LFI und erstellen auf einer soliden Datenbasis Empfehlungen für die zukünftige Nutzung. Die Begriffe qualitativ und quantitativ waren auch in den politischen Debatten zur Walderhaltung an der SFV-Jahresversammlung in Solothurn allgegenwärtig.
Bei all den Diskussionen wird mir klar: Es können noch so robuste Zahlen den Erfolg des Waldgesetzes untermauern, am Schluss entscheiden auch politische Argumente, wie viel und welche Art Wald wir wollen. Genauso zu denken gibt mir der Umstand, dass Mondholz in die Marketingschublade gesteckt wird.
Wir tun gut daran, LFI und Mondholz immer wieder grösser zu denken und den Wald nicht nur mit Zahlen zu pflegen. Das Arbeiten mit verschiedenen Methoden und Herangehensweisen ist eine Stärke der Waldfachleute, die wir sorgfältig in die Zukunft tragen sollten.
Schweiz Z Forstwes 176 (5): 242