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Wie multiple Krisen die Ergebnisse der Forstbetriebe in der DACH-Region beeinflussen
01.11.2025
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Abstract
Die Forstwirtschaft in Zentraleuropa war in den letzten Jahren erheblich von Kalamitäten und ausserordentlichen wirtschaftlichen Ereignissen betroffen. Das zeigt sich auch in den Daten der forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetze der DACH-Region während der Wirtschaftsjahre 2015–2022. Die Ergebnisse der Kennzahlenanalysen zeigen, dass die Kalamitäten einen deutlich negativen Einfluss auf die Holzerträge und damit den Erfolg der DACH-Forstbetriebe hatten. Umgekehrt hat die rasch steigende Nachfrage nach der Coronakrise sowie die Energiekrise zu einem deutlichen Anstieg der Holzerlöse gegenüber dem Vorkrisenniveau geführt. Kalamitäten haben zudem einen tendenziell negativen Effekt auf die Holzerntekosten und die Waldbaukosten. Sie bieten aber auch Chancen für den Wald, indem sie eine raschere Anpassung der Wälder an den Klimawandel bewirken, was der Sicherung waldbasierter Ökosystemleistungen zugutekommt.
Keywords: ratio analysis, forest accountancy data network, comparability, full cost accounting
Schweiz Z Forstwesen 176 (6): 312–319. doi.org/10.3188/szf.2025.0312
* Länggasse 85, CH-3052 Zollikofen, E-Mail patric.buergi@bfh.ch
Die Forstwirtschaft in der DACH-Region war in den letzten Jahren erheblich von sturm - und käferbedingten Kalamitäten betroffen (Abbildung 1). Zudem kam es zu verschiedenen ausserordentlichen wirtschaftlichen Ereignissen wie der Coronapandemie und der globalen, zusätzlich durch den Ukrainekrieg befeuerten Energiekrise. Als Folge der erhöhten Nachfrage resultierte eine hohe Inflation (Tabelle 1). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich die Kalamitäten und die multiplen Krisen auf die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe ausgewirkt haben. Der vorliegende Artikel zeigt die wirtschaftliche Entwicklung der DACH-Forstbetriebe anhand der empirischen Daten aus den forstwirtschaftlichen Testbetriebsnetzen der DACH-Region auf und interpretiert diese soweit möglich. Um die wirtschaftliche Situation der Betriebe möglichst differenziert zu analysieren und zu vergleichen, wurden Kollektive von Flachland- und Gebirgsforstbetrieben gebildet und ausgewählte Kennzahlen für die Wirtschaftsjahre von 2015 bis 2022 ausgewertet.
Material und Methoden
Datenbasis
Datenbasis des vorliegenden Kennzahlenvergleichs bilden für Deutschland das Testbetriebsnetz «Forst», für Österreich das Testbetriebsnetz «Grosswald» sowie für die Schweiz das «Forstwirtschaftliche Testbetriebsnetz». In Deutschland und in der Schweiz handelt es sich um freiwillige Beurteilungsstichproben, in Österreich um eine Selbstselektion (Bürgi et al 2016). Die Testbetriebsnetze (TBN) sind im statistischen Sinne nicht repräsentativ, erlauben es aber aufgrund ihrer Abdeckung die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe gut abzubilden (detaillierte Beschreibung der Testbetriebsnetze der DACH-Region in Bürgi et al 2016).
Basierend auf den Testbetriebsnetzen der DACH-Region wurden Vergleichskollektive von Flachland- und Gebirgsforstbetrieben gebildet (Tabelle 2). Als Flachlandbetriebe werden jene definiert, deren Wälder mehrheitlich auf der Höhenstufe bis 600 Meter über Meer liegen (Tiefland- und Hügellandstufe), während Gebirgsbetriebe durch einen Flächenschwerpunkt über 1200 Meter über Meer charakterisiert sind (Gebirgsstufe). Da dieses Merkmal allerdings nicht unmittelbar zur individuellen Selektion von Betrieben aus den drei TBN herangezogen werden konnte, wurde den Analysen eine regionale Annäherung zugrunde gelegt. Mit der topografischen Lage gehen unterschiedliche Wuchs- und Nutzungsbedingungen (bodengestützte vs. mehrheitlich seilgestützte Holzernte) einher. Darüber hinaus gibt es auch unterschiedliche Anforderungen an die verschiedenen Ökosystemleistungen. Bei den Flachlandbetrieben liegt der Hauptfokus in der Schweiz auf der Holzproduktion und bei den Gebirgsbetrieben steht die Schutzfunktion des Waldes im Vordergrund (Bürgi et al 2021).
Kennzahlensystem
Aufgrund einer unterschiedlichen Zuordnung der Vorkostenstellen sowie der Gemeinkosten auf die Hauptkostenstellen können die Kennzahlen der TBN der DACH-Länder nur bedingt direkt miteinander verglichen werden (Sekot et al 2011). Um die Länderkennzahlen vergleichbar zu machen, wird daher in der vorliegenden Arbeit das von Bürgi et al (2016) entwickelte DACH-harmonisierte Kennzahlensystem verwendet. Dieses umfasst 9 Kennzahlengruppen mit 153 Kennzahlen, die hierarchisch unterschiedlichen Ebenen zugeordnet sind (Tabelle 3).
Monetäre Werte sind in der vorliegenden Publikation in Schweizer Franken dargestellt. Um Effekte von Devisenkursschwankungen auszuklammern, wurde für die Umrechnung von Euro in Schweizer Franken der durchschnittliche Wechselkurs des Jahres 2022 zugrunde gelegt.
Datenanalyse
Eine direkte Analyse der Auswirkungen der Kalamitäten und der sonstigen multiplen Krisen in den Jahren 2015–2022 ist aufgrund der Datenlage der TBN nicht möglich. So fehlt in den Daten aus der Schweiz und Deutschland eine Angabe zum Schadholzanfall und somit eine Einschätzung der direkten Betroffenheit der Forstbetriebe. Daneben sind die Auswirkungen von Krisen auf den Holzmarkt und damit auf die Forstbetriebe sehr komplex. Im Folgenden beschränken wir uns deshalb auf eine deskriptive Strukturanalyse des TBN-Datenmaterials der DACH-Region und interpretieren den Verlauf der Kennzahlen vor dem Hintergrund der erwähnten Krisen.
Resultate
Zum besseren Verständnis der wirtschaftlichen Ergebnisse der Forstbetriebe der DACH-Region und deren Entwicklung werden zuerst die strukturelle Situation, die Faktorausstattung und die Faktorpreise der Betriebe dargestellt. Danach wird die Entwicklung der Erlöse, Kosten und Ergebnisse der Forstbetriebe beschrieben.
Flächen- und Personalausstattung
Die österreichischen Forstbetriebe bewirtschaften im Vergleich zur Schweiz und zu Deutschland im Durchschnitt eine grössere Waldfläche (Tabelle 4). Im österreichischen Flachland und im deutschen Körperschaftswald werden von einer dispositiven Arbeitskraft (Betriebsleiterin oder Betriebsleiter) rund 1000 ha Wald bewirtschaftet. Deutlich mehr dispositives Personal beschäftigen die deutschen Privatwald- und die Schweizer Flachlandbetriebe mit knapp 3 bzw. 2 Arbeitskräften pro 1000 ha Wald. Im Gebirge ist die dispositive Personaldichte sowohl in Österreich als auch in der Schweiz geringer als im Flachland. Deutliche Unterschiede bestehen beim operativen Personal. Dessen Dichte ist im Schweizer Flachland vier- bis siebenmal höher als in den Nachbarländern. Auch die Schweizer Gebirgsforstbetriebe beschäftigen viermal mehr operatives Personal als die österreichischen Gebirgsbetriebe (Tabelle 4). Bei der höheren operativen Personaldichte in der Schweiz gilt es, zu berücksichtigen, dass die Schweizer Forstbetriebe in beträchtlichem Umfang Dienstleistungen ausserhalb des Waldes erbringen. In Deutschland und Österreich wurden demgegenüber forstliche Tätigkeiten vermehrt an spezialisierte Dienstleistungsunternehmen ausgelagert.
Lohnkosten
Ein wichtiger, systematischer Unterschied zwischen den DACH-Ländern besteht bei den Lohnkosten je produktiver Arbeitsstunde. Beim operativen Personal liegen diese in der Schweiz (2022) im Flachland bei 48 CHF/h und 43 CHF/h im Gebirge. Im Vergleich mit dem deutschen Privatwald (30 CHF/h) und den Körperschaftsbetrieben in Deutschland (36 CHF/h) sind diese um 58% bzw. 33% höher. Im Vergleich mit Österreich (31 CHF/h Flachland, 30 CHF/h Gebirge) sind die operativen Lohnkosten in der Schweiz um 53% bzw. 45% höher.
Erlöse Waldbewirtschaftung, Dienstleistungen und hoheitliche Aufgaben
Abbildung 2 zeigt die Erlösstruktur der Flachland- und Gebirgsforstbetriebe in der DACH-Region. Die mit Abstand höchsten gesamtbetrieblichen Erlöse weisen die Schweizer Flachlandbetriebe aus. Hauptgrund dafür sind die Erlöse aus den Dienstleistungen ausserhalb des Waldes und die im Vergleich zu Deutschland und Österreich höheren öffentlichen Beiträge. In der Schweiz haben diese im Gegensatz zu Österreich und Deutschland eine hohe Bedeutung (Abbildung 2). Die Unterschiede bei der absoluten Höhe und der zeitlichen Variation der Erlöse aus der Waldbewirtschaftung im Ländervergleich ergeben sich vorwiegend aus der Variabilität der Nutzungsintensität sowie aus den auf dem Markt erzielten Holzerlösen (Abbildung 3). Bedingt durch die unterschiedliche Wuchskraft sind der Holzeinschlag und damit die Holzerlöse bei den Gebirgsforstbetrieben geringer, insbesondere in der Schweiz (Abbildung 2).
Holznutzung und Holzerlöse
Die Holzerlöse sind die wichtigste Erlösposition der DACH-Forstbetriebe. Einzig bei den Gebirgsforstbetrieben in der Schweiz sind die Einnahmen aus den Dienstleistungen ausserhalb des Waldes sowie die Abgeltungen für die Schutzwaldbewirtschaftung bedeutender als die Erlöse aus dem Holzverkauf (Abbildung 2). Die Höhe der Holzerlöse pro Hektare hängt von der Nutzungsintensität sowie der Baumarten- und Sortimentszusammensetzung ab.
Kalamitätsbedingt sind die Nutzungsintensitäten in der ganzen DACH-Region von 2015 bis 2018 bzw. 2020 deutlich angestiegen und danach wieder gesunken. Die Mehrnutzungen sind dabei vollumfänglich beim Nadelholz angefallen, während die Laubholznutzung bis 2020/2021 rückläufig war. Parallel zum Anstieg bzw. Rückgang der Kalamitätsholzmengen hat sich auch der Anteil des ab Stock verkauften Holzes in Deutschland verändert – das gilt auch für Schweizer Gebirgsbetriebe im Sturmjahr 2018 (Burglind und Vaia; Abbildung 3).
Infolge des Schadholzanfalls sind die Holzerlöse ab 2015/2016 bis 2020 in der gesamten DACH-Region deutlich gesunken (Abbildung 3). In Deutschland sind die Holzerlöse aufgrund des höheren Anteils an Kalamitätsholz im Vergleich zu Österreich und der Schweiz stärker gesunken. Insbesondere in den Jahren 2019–2020 ist in Deutschland ein regelrechter Erlössturz zu beobachten. Gegenüber der Ausgangssituation vor den Kalamitätsereignissen (2015) hat sich der Nadelholzpreis in Deutschland bis 2020 halbiert. Ab 2020 sind die Holzerlöse als Folge der Coronawirtschaftskrise und der Energiekrise in der gesamten DACH-Region wieder angestiegen. Insbesondere von 2021 bis 2022 ist ein deutlicher Sprung nach oben zu beobachten. Im Jahr 2022 sind die erzielten Holzerlöse im Vergleich zur Situation von vor den Kalamitäten in der gesamten DACH-Region höher.
Förderungen und Abgeltungen
Die Förderungen für die Waldbewirtschaftung (v.a. für naturnahe und artenreiche Waldbestände) und die Abgeltungen für die Schutzwaldbewirtschaftung sind eine bedeutende Erlösquelle der Schweizer Forstbetriebe (Abbildung 2). Mehr als ein Fünftel (22%, 2022) der Gesamterlöse in der Waldbewirtschaftung entfallen bei den Schweizer Flachlandforstbetrieben auf Förderungen und Abgeltungen. Im Gebirge sind es 61%, die hauptsächlich für die Schutzwaldbewirtschaftung ausgerichtet werden (Transferzahlungen). In Deutschland (5–6%) und Österreich (4%) haben die Förderungen nur eine geringe Bedeutung. In Österreich wird die Schutzwaldbewirtschaftung zudem nicht generell abgegolten, und entsprechende Förderungen werden auch nicht gesondert erfasst (Bürgi et al 2016). In Deutschland und Österreich sind ab 2020 die öffentlichen Förderungen und Abgeltungen angestiegen (Abbildung 2). Dabei handelt es sich in Deutschland vorwiegend um Sondermittel zur Bewältigung der Folgen der Waldschäden. In Österreich sind kalamitätsbedingte, zusätzliche Förderungen vielfach erst in Folgeperioden ertragswirksam. Zudem werden ab 2020 über den neu eingerichteten Waldfonds der Forstwirtschaft zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt.
Kosten für Gesamtbetrieb und Waldbewirtschaftung
Abbildung 4 zeigt die Kostenstruktur der Flachland- und Gebirgsforstbetriebe in der DACH-Region. Die höchsten Gesamtkosten pro Hektare weisen sowohl im Flachland als auch im Gebirge die Schweizer Forstbetriebe aus (Abbildung 4). Hauptursache hierfür sind vor allem die Kosten für die Dienstleistungen ausserhalb des Waldes, denen aber auch entsprechende Erlöse gegenüberstehen (Abbildung 1).
Über die gesamte DACH-Region ist die Holzernte die wichtigste Kostenstelle in der Waldbewirtschaftung. Die mit Abstand höchsten Holzerntekosten pro Hektare und Festmeter weisen die Schweizer Forstbetriebe aus (Abbildung 4). Ursache dafür sind – neben den höheren Personalkosten und den teilweise schwierigen Erntebedingungen im Gebirge – auch der Einsatz suboptimaler Holzernteverfahren (Bürgi & Pauli 2013). Die während des Beobachtungszeitraums schwankenden Kosten der Waldbewirtschaftung können hauptsächlich auf die unterschiedlichen Nutzungsintensitäten bzw. den Kalamitätsholzanfall zurückgeführt werden.
Eine vertiefte Analyse des zeitlichen Verlaufs der Holzerntekosten deutet darauf hin, dass sich die Kalamitäten tendenziell negativ auf die Holzerntestückkosten ausgewirkt haben. Das gilt insbesondere für den Kommunalwald in Deutschland. Die Waldbaukosten sind über den Betrachtungszeitraum hinweg ebenfalls tendenziell gestiegen (Abbildung 4). Dies scheint vor dem Hintergrund der erheblichen Kalamitäten plausibel, da Kahlflächen zumindest teilweise neu bestockt wurden und im Zuge dessen auch Kosten für den Wildschutz anfielen. Die Kosten für die Walderschliessung haben sich mit einer gewissen Variation hingegen kaum verändert. Die Kalamitäten bzw. die Mehrnutzungen scheinen somit zumindest zu keinen unmittelbaren Mehrkosten beim Strassenunterhalt geführt zu haben. Es ist aufgrund der zunächst dringlicheren Aufarbeitung und Wiederaufforstung der Schadflächen möglich, dass Strassenunterhaltsmassnahmen zeitlich nach hinten geschoben wurden. Die Kosten für die Verwaltung, für Gebäude und sonstige Anlagen sind in Deutschland und Österreich ab 2018 zudem angestiegen. Dies könnte zumindest teilweise auf dispositive Mehraufwände infolge der Bewältigung der Kalamitätsereignisse zurückzuführen sein.
Deckungsbeiträge in der Waldbewirtschaftung
Abbildung 5 zeigt die Entwicklung des holzerntekostenfreien Erlöses (Deckungsbeitrag I) in der Waldbewirtschaftung. Primär aufgrund der kalamitätsbedingt sinkenden Holzerlöse sind die holzerntekostenfreien Erlöse in der ganzen DACH-Region bis 2019/2020 gesunken, danach als Folge der Coronawirtschaftskrise sowie der Energiekrise wieder gestiegen. Aufgrund der höheren Holzerlöse liegen die Deckungsbeiträge I 2022 in der gesamten DACH-Region höher als vor den multiplen Krisen (2015). Hauptgrund für den deutlich geringeren Deckungsbeitrag I in der Schweiz sind die hohen Holzerntekosten (Abbildung 4).
Erfolg der Waldbewirtschaftung, Dienstleistungen und hoheitlichen Aufgaben
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Kalamitäten sind auch beim Erfolg der Waldbewirtschaftung deutlich sichtbar. Bis 2019/2020 hat sich der Erfolg infolge der sinkenden Holzerlöse deutlich verschlechtert und bei den deutschen Kommunalwaldbetrieben zu negativen Ergebnissen geführt – und dies trotz gestiegener Nutzungen (Abbildung 2). Ab 2020 haben sich die Ergebnisse aufgrund steigender Holzerlöse infolge der Corona- und Energiekrise wieder verbessert. Ab 2021/2022 war der Erfolg aus der Waldbewirtschaftung in der gesamten DACH-Region höher als vor den multiplen Krisen im Jahr 2015. Insbesondere im deutschen Privatwald und in Österreich weisen die Forstbetriebe im Durchschnitt einen beachtlichen Erfolg aus (Abbildung 6). Grund für den höheren Erfolg im Vergleich zum deutschen Kommunalwald sind die höheren Nutzungsintensitäten (Abbildung 2). Hierbei gilt es jedoch, zu berücksichtigen, dass sich der Substanzabbau nicht in den aktuellen TBN-Kennzahlen widerspiegelt. Dieser kann unter Umständen in späteren Jahren zu schlechteren Ergebnissen führen. Trotz der im Vergleich zu Deutschland und Österreich umfangreichen Beiträge und Abgeltungen ist die Waldbewirtschaftung in der Schweiz deutlich defizitär. Die besseren Ergebnisse der Waldbewirtschaftung in Deutschland und Österreich können auf eine günstigere Kostensituation (insbesondere in der Holzernte) zurückgeführt werden. Wichtigster Grund hierfür sind – neben den tieferen Lohnkosten – die im Vergleich zur Schweiz besser auf die Betriebsverhältnisse hin abgestimmten Ressourcen (Personal und Maschinen) und der damit einhergehend konsequentere Einsatz kosteneffizienter Verfahren (Bürgi et al 2022). Zu beachten sind zudem die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse, die sich in einer differenzierten Gewichtung der Ansprüche an die verschiedenen Ökosystemleistungen auf der Ebene der betrieblichen Zielsetzungen manifestieren.
Bei den Dienstleistungen weisen die Schweizer Forstbetriebe über den gesamten Betrachtungszeitraum einen Erfolg aus, während diese bei den deutschen und österreichischen Betrieben weitgehend erfolgsneutral bzw. im deutschen Kommunalwald negativ sind (Abbildung 6). Hauptgrund für die positiven Dienstleistungsergebnisse in der Schweiz sind jene für Dritte und im Schweizer Gebirge zudem jene für das eigene Gemeinwesen.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Kalamitäten und Wirtschaftskrisen beeinflussen die wirtschaftlichen Ergebnisse der Forstbetriebe in der DACH-Region. Die seit 2018 aufgetretenen Kalamitäten äussern sich insbesondere in stark erhöhten Nutzungen. Diese hohen Mengen führten auf den Holzmärkten zunächst zu einem Preisverfall, was sich in niedrigen Holzpreisen und damit – trotz hoher Nutzungen – in geringen Holzerlösen widerspiegelte. Aufgrund der im Zuge der Energie- und Coronakrise steigenden Holzpreise hat sich diese Entwicklung relativ schnell wieder umgekehrt – und zu einer im Vergleich zur Zeit vor der Krise günstigen Ertragslage geführt. Die TBN-Zahlen vermögen jedoch die Auswirkungen der Kalamitäten auf die Vermögens- und die zukünftige Ertragslage der Forstbetriebe nicht darzustellen. Durch die Abnahme von älteren, erntereifen Beständen und die folgende Zunahme von Jungwaldflächen ändert sich die kurz- bis mittelfristige Ertragslage der direkt von den Kalamitäten betroffenen Betriebe deutlich. Denn in den neubegründeten Beständen ist zunächst keine kostendeckende Nutzung möglich. Der erzwungene beschleunigte Umbau birgt aber auch Chancen für den Wald, indem er zu einer rascheren Anpassung der Wälder an den Klimawandel führt. Das kommt der Sicherung waldbasierter Ökosystemleistungen zugute.
Der Klimawandel wird voraussichtlich zu einer Häufung von Kalamitäten führen (IPCC 2023). Der Anpassung der Wälder an den Klimawandel kommt somit eine hohe Bedeutung zu, um künftig negative Auswirkungen auf den Wald, die Ökosystemleistungen und die Waldwirtschaft zu reduzieren. Die Bewältigung von klimabedingten Waldschäden und das vermehrte Einbringen von klimatoleranten Baumarten und deren Pflege sind kostspielig. Eine ökonomisch nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung gefährdet somit die Klimaanpassung der Wälder. In der Schweiz besteht diesbezüglich Handlungsbedarf. Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweizer Forstbetriebe sollten die Bemühungen des Bundes und der Kantone zur Struktur- und Prozessoptimierung intensiviert werden. Der wichtigste Ansatzpunkt zur Effizienzsteigerung ist dabei die Schaffung ausreichend grosser Bewirtschaftungseinheiten und die Senkung des Eigenleistungsgrades zugunsten eines vermehrten Einbezugs von Forstunternehmen, insbesondere in der Holzernte (Bürgi & Pauli 2013).
Es gibt jedoch auch Einschränkungen hinsichtlich der Analyse der TBN-Daten. Da Kalamitätsholzmengen aktuell nur im österreichischen TBN erfasst werden, war eine Analyse mit schliessender Statistik im Hinblick auf Mengen- und Preiseffekte von Kalamitäten nicht möglich. Um Kalamitätseffekte künftig differenzierter untersuchen zu können, sollten diese in der ganzen DACH-Region erfasst werden. Aufgrund der Überlagerung der Effekte der Kalamitäten und der multiplen Krisen ab 2020 sowie diesbezüglich fehlender Daten konnten auch die weiteren Kriseneffekte nicht vertieft untersucht werden.
Eingereicht: 8. November 2024, akzeptiert (mit Review): 2. Juli 2025
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