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Wahrnehmung und Kommunikation der Waldbrandgefahr auf der Alpennordseite

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Karina Liechti1*, Stephanie Moser1, Fabian Michel1, Norman Kearney1, Franziska Güder2, Christian Pfammatter2

1Centre for Development and Environment (CDE), Universität Bern
2 Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN)

Abstract

Durch die Klimaerwärmung steigt die Disposition für Waldbrände auf der Alpennordseite. Daher rückt bei der Prävention von Waldbränden auch in diesen Gebieten das menschliche Verhalten im Umgang mit Feuer im Freien in den Fokus. In diesem Artikel werden die relevanten Faktoren für Risikowahrnehmung und Handlungsentscheidungen verschiedener Akteursgruppen dargestellt und drei Arten von Empfehlungen zur Risikokommunikation und damit zur Waldbrandprävention abgeleitet. Erstens: Empfehlungen zur Lenkung werden bei erhöhter Waldbrandgefahr wichtig und umfassen Massnahmen wie das gezielte Bereitstellen oder Entfernen von Feuerstellen im Wald. Zweitens: Empfehlungen zur Sensibilisierung sollen sicherstellen, dass die Zielgruppen die notwendigen Fähigkeiten für den Umgang mit Feuer, das Einholen von Informationen und das Erkennen von Gefahren besitzen. Dazu gehören beispielsweise Bildungsaktivitäten in der land- und forstwirtschaftlichen Ausbildung oder die Stärkung von Kompetenzen für das richtige Löschen von Grillfeuern. Drittens: Empfehlungen zur Organisation zielen darauf ab, das Kommunikationsnetzwerk zu stärken und die Rollen der Beteiligten in der Sensibilisierung der Bevölkerung klar zu definieren.

Keywords:forest fires, forest fire prevention, risk perception, risk communication, Switzerland

Schweiz Z Forstwesen 176 (5): 270–277.https://doi.org/10.3188/szf.2025.0270

* Mittelstrasse 43, CH-3012 Bern, E-Mail karina.liechti@unibe.ch

Aufgrund der durch die Klimaerwärmung steigenden Temperaturen, zunehmenden Trockenzeiten und Hitzewellen ist davon auszugehen, dass die Voraussetzungen für Waldbrände (Disposition), wie trockene und damit leicht entzündbare Streu oder Bodenvegetation, in der Schweiz auch auf der Alpennordseite häufiger gegeben sein werden. Waldbrände entstehen in der Schweiz meistens durch menschliches Tun (Pezzatti et al 2016, Reinhard et al 2019, WSL 2025), sei es durch Freizeit- und Tourismusaktivitäten (z.B. Grillfeuer) oder durch Aktivitäten, die mit den langfristigen sozioökonomischen Veränderungen der Pflege und Nutzung des Waldes oder des angrenzenden Flur- und Landwirtschaftslands zu tun haben (z.B. Vergandung, Räumungsfeuer). Besonders exponiert sind steile und südorientierte Hanglagen. Insbesondere der Verlust von Schutzwald als Folge von Bränden kann grosse Schäden und Gefahren verursachen. Da Waldbrände auf der Alpennordseite bisher ein eher seltenes Phänomen waren, ist davon auszugehen, dass vielen Menschen nördlich der Alpen eine «Kultur» im Umgang mit Feuer, das im Wald und in Waldesnähe entfacht wird, noch weitgehend fehlt. Angesichts der zunehmenden Phasen mit höherer Waldbrandgefahr (Gefahrenstufen 3–5) stellt sich daher die Frage, wie Verhaltensänderungen und somit die Prävention von Waldbränden gefördert werden können.

Waldbrandsituation im Kanton Bern, Hintergrund und Ziele der Studie

Im Kanton Bern, wie generell nördlich der Alpen, war 2018 ein ausserordentlich warmes und trockenes Jahr. In der Folge war die Waldbrandgefahr hier über eine längere Zeit erhöht, und es brannte so oft wie nie in den vorangehenden Jahren (Peter & Pfammatter 2019). Eine Gefahrenanalyse Waldbrand für die Gemeinden des Kantons Bern aus dem Jahr 2019 (Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern 2020) zeigt zudem auf, dass der Kanton zwei grossräumige Hotspot-Gebiete aufweist, in denen wichtige Schutzwälder an häufig der Bise oder dem Föhn ausgesetzten trockenen Hanglagen stehen und somit stark waldbrandgefährdet sind: der Jurasüdfuss und die Sonnseiten vom Haslital über den Brienzer- und Thunersee (Region Bödeli bis Region Meiringen-Hasliberg). Zudem wird aus dem Waldbrandkataster des Kantons ersichtlich, dass die Anzahl Tage mit hoher Waldbrandgefahr zunimmt. Die Konstellation von vermutet geringer Sensibilisierung der Waldnutzenden und zunehmender Waldbrandgefahr macht es sinnvoll, Risikowahrnehmung und -verhalten unterschiedlicher Akteursgruppen zu kennen und konkrete Ansätze für eine zielgruppenspezifische Kommunikation zu eruieren.

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Forschungsprojektes «Waldbrandgefahr auf der Alpennordseite: Wahrnehmung und Kommunikation», das im Auftrag des Amts für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN) und der Wyss Academy for Nature durchgeführt wurde. Er umfasst primär Resultate von zwei empirischen Studien, die vom Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern mit dem Ziel verfasst wurden, Grundlagen für Waldbrandpräventionsmassnahmen bereitzustellen. Nachfolgend werden die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Studien hinsichtlich Risikowahrnehmung und -verhalten unterschiedlicher Akteursgruppen aufgezeigt sowie Empfehlungen für die Lenkung, Sensibilisierung und Organisation von Zielgruppen abgeleitet. Damit sollen ein verantwortungsvoller Umgang mit Feuer und ein Verhalten, das Waldbrände verhindert, gefördert werden.

Wandbrände verhindern: Bewertungs- und Entscheidungsprozess

Im Sinne einer Übersicht über verschiedene Ansatzpunkte für kommunikative Massnahmen zur Waldbrandprävention schlagen wir ein Rahmenmodell vor (Abbildung 1). Im Kern des Modells steht der individuelle Entscheidungsprozess der Empfänger und Empfängerinnen der Kommunikation, also beispielsweise der Zielgruppen, die den Wald nutzen. Für einen bestimmten Entscheid zu präventivem Handeln (z.B. in Form von Informationssuche, Akzeptanz von Massnahmen oder verantwortungsvollem Umgang mit Feuer) müssen erstens entsprechende informative Hinweise zuerst wahrgenommen und verarbeitet werden (d.h., sie müssen vorhanden sein, beachtet und verstanden werden) und zweitens als relevant bewertet werden. Dies einerseits bezüglich der Höhe des Risikos (Wie gross ist die Waldbrandgefahr, und welches sind potenzielle negative Schäden?), andererseits aber auch bezüglich der Handlungsoptionen (Wie aufwendig ist es, an relevante Informationen zu kommen? Wie stark schränkt der Verzicht auf ein Feuer ein?). Verschiedene Faktoren können das Verarbeiten, Bewerten und Entscheiden aufgrund von kommunikativen Botschaften positiv beeinflussen, so zum Beispiel, ob die Botschaft durch bevorzugte Kommunikationskanäle übermittelt wird, von glaubwürdigen Quellen stammt, bereits Erfahrungen mit Waldbränden vorhanden sind, dem Wald eine hohe Bedeutung beigemessen wird – aber auch, ob ein grundlegendes Wissen über das Zustandekommen von Waldbränden und über mögliche präventive Verhaltensmöglichkeiten vorhanden ist. Diese Faktoren können durch das Netzwerk der Kommunikatorinnen und Kommunikatoren mittels gezielter Massnahmen adressiert werden, wie dies im mittleren Rahmen dargestellt ist. Hinweise, die die Entscheidungen beeinflussen, können jedoch auch aus der natürlichen Umwelt stammen, indem die Adressatinnen und Adressaten zum Beispiel Trockenheit oder Wind wahrnehmen, bewerten und in ihren Verhaltensentscheid einbeziehen (dargestellt im äussersten Rahmen in Abbildung 1).

Material und Methoden

Die Erkenntnisse dieses Artikels basieren auf einer quantitativen Umfrage, die die allgemeine Bevölkerung des Kantons Bern, die den Wald in ihrer Freizeit nutzt, im Fokus hatte (siehe auch Moser et al 2024), sowie einer qualitativen Erhebung, die auf professionelle Waldbewirtschaftende aus der Land- und Forstwirtschaft fokussierte (Liechti et al 2023, internes Dokument). Beide Gruppen können Waldbrände verursachen. Während wir uns bei den Freizeitnutzenden dafür interessierten, welche Faktoren (nachfolgend Erklärgrössen genannt) das Zustandekommen individueller Risikourteile und entsprechender Handlungsentscheide erklären, war bei der Gruppe der professionellen Waldbewirtschaftenden für uns von Interesse, wie diese die Bedeutung des Themas Waldbrand eingeschätzten.

Die quantitative Onlineumfrage wurde im Winter 2022/2023 unter der deutschsprachigen Wohnbevölkerung in den Kantonen Bern (N = 706) und Wallis (N = 103) durchgeführt. Der Hauptfokus lag auf der Wohnbevölkerung des Kantons Bern. Der Einbezug jener des Kantons Wallis erlaubte Vergleiche zwischen einer Region der Alpennordseite mit bisher eher wenig Erfahrung mit Phasen hoher Waldbrandgefahr und einer Region in einem inneralpinen Trockental mit einer bereits ausgeprägteren Erfahrung. Der Fragebogen beinhaltete die inhaltlichen Teile Wahrnehmung und Verhalten im Wald und in Waldesnähe, Risikowahrnehmung und Vorsorgeverhalten, ein sogenanntes Vignettenexperiment, Fragen zu Aspekten der Risikokommunikation sowie Personencharakteristiken. Die Analyse umfasste deskriptive Darstellungen sowie die Berechnung von Zusammenhangstärken verschiedener Erklärgrössen.

Die qualitative Erhebung erfolgte mittels Experteninterviews mit professionellen Waldbewirtschaftenden. Dazu gehören Personen aus der Forst- und Landwirtschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter privater und kollektiver Waldbesitzer. Den interviewten Personen wurde eine Experten- oder Expertinnensicht zugesprochen, weil sie entweder eigene praktische Erfahrungen in der Waldbewirtschaftung und/oder einen guten Überblick über einen breiteren Personenkreis der jeweiligen Akteurskategorie haben. Anhand von zwölf qualitativen Leitfadeninterviews wurden Themen wie vorhandenes Wissen zum Thema Waldbrand, Relevanz des Themas, wahrgenommene Verantwortung, Bewirtschaftungspraxis, Einschätzung der Waldbrandprävention der kantonalen Behörden sowie persönliche und berufliche Informationsquellen vertiefter betrachtet. Die qualitativen Leitfadeninterviews wurden mittels Audioaufnahmen aufgezeichnet, im Anschluss transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Resultate

Situation vor Ort: Ansatzpunkte für die Lenkung

Im Rahmen der Umfrage wurden verschiedene Umwelt- und soziale Hinweise untersucht, um herauszufinden, wie diese die Einschätzung der Waldbrandgefahr und die Bereitschaft, Feuer zu machen, beeinflussen. Dabei wurden den Teilnehmenden verschiedene Bildvarianten präsentiert. Die Teilnehmenden sollten die vorherrschende Waldbrandgefahr auf den Bildern einschätzen und angeben, ob sie den abgebildeten Ort für ein Grillfeuer wählen würden. Auf den Bildern wurden Situationen gezeigt, die sich einerseits in der Trockenheit des Hintergrunds unterschieden (Umwelthinweis mit den Varianten feucht, mittel, trocken). Andererseits wurden als soziale Hinweise verschiedene Schilder (kein Schild, Hinweisschild, explizites Feuerverbotsschild) und verschiedene Feuerstellen (keine, wilde, befestigte) präsentiert. Das Variieren der Merkmale ergab 27 Bildvarianten, die den Teilnehmenden in einer Zufallsauswahl gezeigt wurden (eine Auswahl der Bildvarianten ist in Abbildung 2 dargestellt). Die Ergebnisse zeigen, dass Schilder die Einschätzung der Waldbrandgefahr beeinflussen. So wurde die Waldbrandgefahr viermal höher eingeschätzt, sobald ein Schild vorhanden war, unabhängig von der Schildvariante. Das Vorhandensein eines Schildes reduzierte auch die Absicht, Feuer zu machen um mehr als 90 Prozent. Das Vorhandensein einer Feuerstelle hatte zwar keinen Einfluss auf die Gefahrenbeurteilung, jedoch einen grossen Effekt auf die Absicht, Feuer zu machen, die viermal höher bei einer wilden Feuerstelle und zehnmal höher bei einer befestigten Feuerstelle war. Zudem schmälerten vorhandene Feuerstellen den präventiven Effekt der Schilder. Feuerstellen scheinen also einen animierenden Effekt zu haben, da sie signalisieren, dass andere am gleichen Ort auch bereits Feuer gemacht hatten. Die Trockenheit des Hintergrunds hatte hingegen nicht den erwarteten Effekt. Es scheint, dass die Befragten andere situative Hinweise als die dargestellte Trockenheit bei ihren Entscheiden berücksichtigten oder dass sie die Trockenheit nicht korrekt interpretieren konnten.

Auch die befragten Fachpersonen wiesen hinsichtlich Waldbrandprävention auf die Wichtigkeit der Situation vor Ort hin, welche die Nachahmung positiv oder negativ beeinflusse. So wurde gesagt, dass wilde Feuerstellen die Leute animieren könnten, diese zu nutzen. Entsprechend könne das Entfernen solcher Feuerstellen präventiv wirken: «Man deckt diese Feuerstellen jeweils zu […]. Letztes Jahr habe ich noch zwei gesehen. […]. Das ist eben wichtig, das Zeug fortzuräumen, damit man es nicht mehr sieht. Ansonsten kommen immer neue [Personen] und sehen ‹Ah, da hatte es schon andere›, und das ist ungünstig.» (Interview mit Fachperson Land- und Forstwirtschaft, Berner Oberland, 2023).

Ansatzpunkte für eine generelle Sensibilisierung

Das Wissen über Waldbrände wurde in der Umfrage anhand von Aussagen getestet, die von den Befragten als «korrekt» oder «falsch» beurteilt werden mussten. Es zeigte sich, dass Fragen zum Handlungswissen am korrektesten beantwortet wurden (z.B. wurde die Aussage «Fahrlässiges und unachtsames Verhalten gilt in der Schweiz als die weitaus wichtigste Ursache für Waldbrände» von 90% der Befragten richtig als «korrekt» beantwortet), während bei Ursachen- und Folgenwissen Unsicherheiten bestanden (z.B. wurde die korrekte Aussage «Im Frühjahr ist die Waldbrandgefahr meist erhöht» nur von 11% der Befragten als richtig erkannt; die falsche Aussage «Die Waldbrandgefahr hängt fast ausschliesslich von der Trockenheit des Bodens ab» wurde nur von 40% der Befragten als falsch erkannt).

Während die Befragten kaum negative Folgen möglicher Waldbrände für sich selbst befürchteten, wurden mögliche negative Folgen von Waldbränden auf verschiedene Funktionen des Waldes mehrheitlich als «gross bis sehr gross» bewertet. Dies insbesondere in Bezug auf den Lebensraum für Tiere und Pflanzen, das Landschaftsbild, den Beitrag des Waldes gegen die Klimaerwärmung und für die Sauerstoffproduktion. Mögliche negative Folgen auf die Produktion von Holz sowie den Schutz vor Naturgefahren wurden etwas weniger oft genannt.

Die Befragten gaben weiter an, Warnhinweise zur Waldbrandgefahr zu beachten, wobei Warnhinweise auf Schildern und in den Medien am häufigsten berücksichtigt, Gefahrenkarten jedoch mehrheitlich nur unregelmässig aktiv konsultiert werden. Beim vorsorglichen Verhalten im Umgang mit Feuer im Wald und in Waldesnähe gab die Mehrheit an, entsprechende Verhaltensweisen zu beachten (feste Umrandung, Feuer im Auge behalten usw.) (Abbildung 3). Aber es gibt auch Aspekte mit geringerer Zustimmung, wie z.B. das Überprüfen der Glut oder das vollständige Löschen des Feuers vor Verlassen des Ortes. Auch erwähnte ein Teil der Befragten eigenes leichtsinniges Verhalten im Umgang mit Feuer, wie z.B. das Entfachen von Feuer bei Wind (Abbildung 4).

Zusammenhänge zwischen Aspekten der Risikowahrnehmung und möglichen Verhaltensreaktionen wurden statistisch untersucht. Es zeigte sich, dass gewisse Faktoren die Risikowahrnehmung erhöhen, zum Beispiel persönliche Erfahrungen mit Waldbränden, die Präsenz des Themas in den Medien und im sozialen Austausch sowie die eigene Verbundenheit mit dem Wald. Auch Geschlecht, Alter, Bildungsstand und ob die Befragten im Kanton Bern oder Wallis wohnen, erklären Unterschiede in der Risikowahrnehmung. Eine hohe Risikowahrnehmung erklärt ihrerseits vermehrte, aktive Informationssuche über die Waldbrandgefahr, höhere Akzeptanz von Massnahmen sowie eine Tendenz zu vorsorglichem bzw. weniger leichtsinnigem Verhalten. Wichtig sind hierbei jedoch auch eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung («Ich habe Einfluss auf die Situation») und der einfache Zugang zu Information. Nicht zuletzt tendieren Personen, die einen Verzicht auf Grillfeuer im Wald oder in Waldesnähe als eine grosse persönliche Einschränkung empfinden, eher zu leichtsinnigem und weniger zu vorsorglichem Verhalten. Sie lehnen auch eher entsprechende Massnahmen der Behörden ab.

Aus Sicht der interviewten Fachpersonen mit Bezug zur Land- und Forstwirtschaft wird dem Thema Waldbrand in den eigenen Branchen keine hohe Priorität attestiert. Alle Interviewten waren sich aber einig, dass sich mit dem Klimawandel die Situation in Zukunft ändern, die Waldbrandgefahr sich also verschärfen wird. Auch in der forst- und landwirtschaftlichen Ausbildung habe das Thema Waldbrand/Waldbrandgefahr bisher keine oder nur eine geringe Rolle gespielt. Trotzdem schätzen die meisten Befragten ihr Wissen als genügend ein, insbesondere aufgrund der langjährigen Praxiserfahrung. Der tägliche berufliche Umgang mit dem Wald, der enge Bezug zur Natur und das Draussensein fördere die Fähigkeit, die Zeichen erhöhter Waldbrandgefahr zu erkennen. Es komme aber auch vor, dass Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter eine Situation unterschätzen und ein Feuer entfachen oder ein Feuer als gelöscht beurteilen, das vom Wind wieder angefacht werde. Diesbezüglich mangle es vor allem an Wissen, wie ein Feuer richtig gelöscht werden kann. Auch die Arbeitsroutine verhindere teilweise das angepasste Bewirtschaften eines Feuers: «Du kannst das Schwentmaterial auch verbrennen, wenn du den ganzen Tag daneben stehst. Es immer ein bisschen bewirtschaften und dann schauen, dass es sauber gelöscht ist. Dass nicht noch Wind reinkommt. […] Aber die Realität ist, dass die Leute [sonst etwas] arbeiten und nicht neben dem Feuer stehen.» (Interview mit Fachperson Forstwirtschaft, 2023). Zudem seien die rechtlichen Rahmenbedingungen in Zusammenhang mit dem Verbrennen von Material oft entweder nicht im Detail bekannt, würden unterschiedlich verstanden oder kämen in der Praxis unterschiedlich zur Anwendung. Auch die rasch ansteigende Waldbrandgefahr im Frühling sei wenig im Bewusstsein der allgemeinen Bevölkerung wie auch der Personen aus der Land- und Forstwirtschaft.

Präferenzen bei Kommunikationskanälen und Absendern

Bevorzugte Informationskanäle bezüglich Waldbrandgefahr in der allgemeinen Bevölkerung sind Apps für Smartphones, TV/Radio und Plakate/Schilder vor Ort. Diese werden auch als zukünftige Kommunikationskanäle bevorzugt (Abbildung 5).

Bezüglich Öffentlichkeitsarbeit wird die Verantwortung aus Sicht der interviewten Fachpersonen am ehesten bei den Waldabteilungen des Kantons oder dem kantonalen Amt für Wald und Naturgefahren verortet. Den Revierförstern im Speziellen wird eine wichtige Rolle bei der Information der Waldbesitzerinnen und -besitzer zugewiesen. Auch Personen aus der Forstwirtschaft werden als geeignet erachtet, Menschen bei Fehlverhalten anzusprechen. Bezüglich einer zukünftigen optimalen Waldbrandprävention konnten die Interviewten keine Empfehlungen abgeben. Praktisch alle erwähnten jedoch, dass das Feuerverbot gut eingehalten werde. Einzelne befürchten, dass der Aufwand für das Aufstellen der Schilder für die Verantwortlichen zu gross werden könnte, insbesondere wenn in Zukunft vermehrt Feuerverbote ausgesprochen werden.

Diskussion und Empfehlungen für die Praxis

Abgeleitet aus den Ergebnissen der beiden Befragungen und basierend auf dem bereits vorgestellten Rahmenmodell können Ansätze und konkrete Empfehlungen für die Risikokommunikation und damit zur Waldbrandprävention verortet und diskutiert werden. Sie gliedern sich nach Lenkung, Sensibilisierung oder Organisation (Tabelle 1; Abbildung 1). Unter «Lenkung» fassen wir Empfehlungen zusammen, welche die verschiedenen Zielgruppen adressieren und die in Situationen mit erhöhter Waldbrandgefahr ergriffen werden könnten. «Sensibilisierung» umfasst Empfehlungen, die in Situationen geringer Waldbrandgefahr ergriffen werden könnten, damit Zielgruppen in Phasen hoher bis sehr hoher Gefahr über Informationen zur Waldbrandsituation sowie die notwendigen Kompetenzen im Umgang mit Feuer verfügen. Unter «Organisation» fassen wir Empfehlungen zusammen, die darauf abzielen, das Kommunikationsnetzwerk zu festigen und handlungsfähig zu gestalten. Sie sind die Basis für die Sensibilisierung und die Lenkung.

Tab 1 Empfehlungen für die Risikokommunikation und zur Waldbrandprävention

Im Folgenden werden eine Empfehlung aus dem Bereich Lenkung und drei aus dem Bereich Sensibilisierung detaillierter vorgestellt.

Besucherlenkung (A)

Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine vorhandene (wilde) Feuerstelle im Wald signalisiert, dass andere Personen hier zuvor ein Feuer gemacht haben, was dazu animieren kann, dort auch ein Feuer zu entfachen. Dazu kommt, dass ein Grossteil der Bevölkerung aus Umweltreizen (Trockenheit, Wind, herabhängende Äste u.Ä.) nicht unbedingt die richtigen Schlüsse über die vorherrschende Waldbrandgefahr und damit für ein adäquates präventives Verhalten zieht und sich deshalb auf soziale Informationen wie vorhandene Feuerstellen bezieht.

Im Sinne der Waldbrandprävention empfehlen wir deshalb, über eine gezielte Besucherlenkung gewünschtes Verhalten zu fördern bzw. unerwünschtes Verhalten zu verhindern. So können gezielt befestigte Feuerstellen mit feuerfestem Boden und Umrandung an geeigneten Standorten zur Verfügung gestellt und unbefestigte, wilde Feuerstellen an feuergefährdeten Orten konsequent entfernt werden.

Stärkung der Kompetenzen im Umgang mit Feuer (M)

Kompetenzen im korrekten Umgang mit Feuer sind gemäss unseren Ergebnissen in der Bevölkerung grundsätzlich vorhanden. Trotzdem kommt es vor, dass Bewirtschaftende oder Waldbesuchende eine Situation falsch einschätzen oder falsch reagieren. So können Brände entstehen, zum Beispiel wenn ein als gelöscht beurteiltes Feuer weiterglüht und später, oft unter Einfluss von Wind, wieder angefacht wird. Die verhältnismässig geringe Zustimmung zur Aussage, dass Feuerstellen erst verlassen werden, wenn sie vollständig ausgekühlt sind, weist darauf hin, dass das Wissen über das vollständige Löschen und verantwortungsvolle Verlassen von Feuerstellen noch gestärkt werden könnte. Auch gibt nur eine Minderheit der Befragten an, bei Wind nie ein Feuer zu entfachen.

Wir empfehlen, Kompetenzen im korrekten Umgang mit Feuer bei den Zielgruppen zu stärken. Damit zusammenhängend könnte auch die Selbstwirksamkeitsüberzeugung gefördert werden, d.h. die Überzeugung, dass man selbst mit (adäquatem) Handeln Waldbrände vermeiden kann. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: Zur Ausbreitung von Feuern könnten authentische Erfahrungsberichte von Betroffenen kommuniziert oder das korrekte Löschen von Feuern über Vermittlungspersonen oder -organisationen (z.B. Pfadi, land- und forstwirtschaftliche Bildungseinrichtungen, Schulen anlässlich von Schulreisen, Waldpädagogik als Angebot des Kantons usw.) geübt oder vermittelt werden. Auch können solche Inhalte über branchenspezifische Medien kommuniziert werden. In jedem Fall sollte die Vermittlung auch Hintergrundwissen zur Ausbreitung von Feuern in unterschiedlichen Gefahrensituationen enthalten, damit der Grund für adäquates Verhaltens verstanden wird. Zudem ist es hilfreich, wenn das korrekte Löschen von Feuern vor Ort einfach zu bewerkstelligen ist, wenn also zum Beispiel Wasser vorhanden ist.

Land-, alp- und forstwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung (N)

Das Thema Waldbrandgefahr war gemäss unseren Ergebnissen in der land-, alp- und forstwirtschaftlichen Ausbildung bisher wenig oder gar nicht präsent. Zurzeit gibt es aber Bemühungen, das Thema in die land- und forstwirtschaftliche Ausbildung zu integrieren; die Inhalte sind aber noch keine fixen Bestandteile der Lehrpläne.

Wir empfehlen, das Thema Waldbrandgefahr in der land-, alp- und forstwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung stärker zu verankern. Wichtige Inhalte sollten unter anderen die gesetzlichen Grundlagen (insbesondere Waldgesetze und -verordnungen, Luftreinhalteverordnung), die Einschätzung von Risikofaktoren, Arbeitsabläufe, Bewirtschaftungsalternativen, Frühlingswaldbrandgefahr sowie das korrekte Löschen eines Feuers umfassen. Auch sollte die Auswirkung von Waldbränden auf den Wald thematisiert werden. Dazu wäre es sinnvoll, den Ausbildungsgängen entsprechende Bildungsmaterialen zur Verfügung zu stellen.

Nutzen von etablierten Strukturen und Multiplikatorinnen/Multiplikatoren (G)

Hinsichtlich der Sensibilisierung der direkten Waldnutzenden kommt eine Vielzahl von Personen oder Organisationen, die mit diesen persönlich in Kontakt treten könnten, infrage. Zu diesen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gehören unter anderen (Revier-)Förster, Rangerinnen sowie Angehörige der Feuerwehr und der Gemeinden. Eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der Waldbrandthematik könnten auch Umweltorganisationen, Dachverbände der Land- und Forstwirtschaft, Jugendorganisationen wie Pfadi, Sportverbände, Wanderwegorganisationen, Bildungseinrichtungen (Grundbildung, Berufsschulen, Fachhochschulen, Universitäten), Medien sowie Gemeinden, Kantone und Bund spielen.

Wir empfehlen, solche etablierten Strukturen zu nutzen, um die Thematik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei kann das Thema Waldbrand je nach Situation entweder separat behandelt oder in bestehende oder neue Bildungs- und Sensibilisierungsaktivitäten eingebettet werden. Hilfreich ist, wenn Materialien (Merkblätter, Bildungsmaterialien, Textbausteine usw.) zur Verfügung gestellt werden. Auch die Erarbeitung und Propagierung von Angeboten (Führungen, Exkursionen, Vorträge, Lehrveranstaltungen) sowie das direkte Einspeisen von Informationen in die Kommunikationsorgane der relevanten Organisationen sind zielführend. Dazu müssen Partnerschaften mit solchen Organisationen und Schlüsselpersonen aufgebaut werden.

Ausblick

Die aufgeführten Empfehlungen richten sich in erster Linie an das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN), das bei dieser Studie als Auftraggeber und Partner fungierte. Die Ergebnisse können aber auch für andere Amtsstellen auf der Alpennordseite von Interesse sein, die Aktivitäten in Hinblick auf die steigende Waldbrandgefahr initiieren möchten. Ein solches Vorhaben bedingt aus unserer Sicht als nächsten Schritt eine Konkretisierung und Priorisierung der Empfehlungen sowie darauf aufbauend eine Aushandlung von Zielen, Massnahmen und Zuständigkeiten in Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteursgruppen. Idealerweise entsteht daraus eine detaillierte «Kommunikationsstrategie Waldbrandprävention». Die Umsetzung sollte danach in Pilotprojekten mit lokalen Akteurinnen wie Gemeinden, Forstbetrieben und Feuerwehren auf die erhoffte Wirkung hin überprüft werden. Gleichzeitig sehen wir auch ein grosses Potenzial in einer kantonsübergreifenden Abstimmung und Zusammenarbeit bei der Verwendung von Kommunikationsmaterialien und -kanälen, beispielsweise durch das Bundesamt für Umwelt.

Angesichts der zunehmenden Waldbrandgefahr auch in bisher wenig betroffenen Gebieten auf der Alpennordseite sind wir überzeugt, dass die präventive Risikokommunikation in Zukunft wichtiger wird. Mit dieser Studie haben wir erste Grundlagen dafür erarbeitet. Menschliche Aktivitäten (z.B. Grillfeuer) und natürliche Ursachen (z.B. Blitzschläge) werden aber auch in Zukunft Waldbrände verursachen. In einem integralen Waldbrandmanagement gehören zur Prävention deshalb immer auch waldbauliche Massnahmen, eine optimale Gefahren- und Risikobeurteilung sowie Massnahmen zur angepassten Intervention im Brandfall und zur Regeneration (AWN 2023).

Eingereicht: 5. Dezember 2024, akzeptiert (mit Review): 12. Juni 2025

  • Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern (2020)

    Gefahrenanalyse der Gemeinden des Kantons Bern (Gefahrenanalyse 2015) (Version 3.0). Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern.

  • Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN) (2023)

    Waldbrandmanagement – Ziele und Aufgaben.www.be.ch/waldbrandgefahr

  • Moser S, Kearney N, Michel F, Valerius K, Liechti K (2024)

    Understanding threat appraisal and protective action concerning forest fires in low exposure regions: An application of the protective action decision model. J Risk Res 27 (10): 1248–1276.https://doi.org/10.1080/13669877.2024.2447256

  • Pezzatti GB, Angelis AD, Conedera M (2016)

    Potenzielle Entwicklung der Waldbrandgefahr im Klimawandel. In: Pluess AR, Augustin S, Brang P (eds). Wald im Klimawandel. Grundlagen für Adaptationsstrategien. Bern: Haupt. pp 223–245.

  • Reinhard M, Beyeler S, Plüss T, Pezzatti GB, Conedera M (2019)

    La gestion des incendies de forêts en Suisse: la vision nationale de l’OFEV. Schweiz Z Forstwes 170 (5): 281–284.https://doi.org/10.3188/szf.2019.0266

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