• Notizen

Urban Forests für resiliente und gesunde Städte

Notiz

Jerylee Wilkes-Allemann1,2,*, Reto Mohr3, Andrea Saluz2,3

1 Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL (CH)
2 ArboCityNet (CH)
3 Grün Stadt Zürich (CH)

Die 27. Tagung des European Forum on Urban Forestry (EFUF) fand im Juni 2025 in Zürich statt. 180 Teilnehmende aus Praxis und Wissenschaft diskutierten die Rolle der Urban Forests bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit städtischer Ökosysteme, der Förderung der öffentlichen Gesundheit und der Schaffung nachhaltiger städtischer Umgebungen.

Schweiz Z Forstwesen 177 (1): 56–57.https://doi.org/10.3188/szf.2026.0056

* Länggasse 85, CH-3052 Zollikofen, E-Mail jerylee.wilkes@bfh.ch

Angesichts des immer stärker spürbaren Klimawandels, des Verlusts der Biodiversität im urbanen Gebiet und der zunehmenden Urbanisierung spielen Urban Forests im urbanen Raum eine bedeutende Rolle. Vor diesem Hintergrund trug die 27. Tagung des European Forum on Urban Forestry (EFUF) den Titel «Urban Forests für resiliente und gesunde Städte». Organisiert wurde sie von Grün Stadt Zürich, ArboCityNet und der Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL). Seit seiner Gründung im Jahr 1998 ist das EFUF ein zentraler Treffpunkt für Praktikerinnen, für politische Entscheidungsträger aller Ebenen und Forschende, die sich mit Stadtbegrünung und Urban Forestry befassen. Die Tagung an der ETH in Zürich fokussierte auf folgende drei Themenschwerpunkte: «Urban Forests für resiliente Städte», «Urban Forests für gesunde, sichere und gerechte Städte» und «Die Zukunft gestalten: Innovation, Politik und Professionalisierung».

Urban Forests für resiliente Städte

Das erste Schwerpunktthema befasste sich mit der Rolle von Urban Forests für die Resilienz moderner Städte. Die Referierenden berichteten, dass Urban Forests das Stadtklima verbessern, urbane Hitzeinseln verringern, die Schadstoffe aus der Luft filtern und die Biodiversität fördern. Gleichzeitig speichern sie CO2 und tragen somit aktiv zum Klimaschutz bei. Durch ihre schattenspendende und wasserregulierende Wirkung mildern sie die Auswirkungen extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen ab. Neben ihren ökologischen Vorteilen stärken Urban Forests auch das Wohlbefinden von Stadtbewohnenden und fördern soziale Interaktionen, indem sie attraktive, gesundheitsfördernde Erholungsräume schaffen. Damit sind sie ein zentrales Element für nachhaltige, lebenswerte und widerstandsfähige Städte der Zukunft.

In den Keynote-Vorträgen betonten Gert-Jan Nabuurs (Universität Wageningen) und Harald Bugmann (ETH Zürich) die Bedeutung einer vielfältigen Baumartenzusammensetzung, um Störungen zu minimieren und die Kohlenstoffspeicherung langfristig zu optimieren. Caitlyn Pollihan (International Society of Arboriculture) hob die zunehmende Professionalisierung der Urban-Forestry-Thematik hervor, während Wendy Y. Chen (Universität Hongkong) den starken Einfluss der wahrgenommenen Qualität von Grünflächen auf die öffentliche Gesundheit verdeutlichte.

Urban Forests für gesunde, sichere und gerechte Städte

Das zweite Schwerpunktthema widmete sich der sozialen Dimension urbaner Wälder, mit besonderem Fokus auf Partizipation bzw. Mitwirkung, Inklusion und Gerechtigkeit. In diesem Kontext wurde bei den Vorträgen betont, dass Urban Forests einen wichtigen Beitrag zur städtischen Sicherheit leisten, indem sie das Risiko von Überflutungen durch Regenwasserrückhalt verringern und die Auswirkungen von Hitzewellen mindern. Zugleich ist eine gerechte Stadtplanung von zentraler Bedeutung, um sicherzustellen, dass alle Bevölkerungsgruppen – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder sozialem Status – gleichberechtigten Zugang zu qualitativ hochwertigem Stadtgrün erhalten. Durch die Verbindung ökologischer, sozialer und gesundheitlicher Aspekte tragen Urban Forests wesentlich zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Sie bilden somit eine Grundlage für resiliente, inklusive und lebenswerte Städte.

Im Keynote-Vortrag stellte Lotte Dijkstra (Newcastle University) einen intersektional fundierten Ansatz für die Mitwirkung der Gesellschaft im Kontext der Umweltgerechtigkeit vor. Dieser Ansatz berücksichtigt den prozessualen und anerkannten Zugang und stellt sicher, dass verschiedene Gemeinschaften zur Gestaltung und Entscheidungsfindung im Bereich der Urban Forestry beitragen können. Ayanda Roji (Johannesburg City Parks & Zoo) diskutierte die grüne Ungleichheit in afrikanischen Städten, in denen historisch marginalisierte Gebiete nach wie vor eine geringe Dichte an Grünräumen und Bäumen aufweisen. Fallstudien aus Johannesburg und anderen afrikanischen Kontexten zeigen, wie eine von der Gemeinschaft getragene Begrünung den sozialen Zusammenhalt und die restaurative Gerechtigkeit fördern kann. Anna Bornioli (Barcelona Institute for Global Health) präsentierte innovative Forschungsergebnisse zu geschlechtsspezifischen Wahrnehmungen bezüglich Sicherheit in urbanen Grünräumen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass dichte Vegetation und soziale Gefahrenhinweise die Angst vor Übergriffen insbesondere bei Frauen verstärken, was wiederum wichtig für eine Grünflächenplanung mit sicherheitsrelevanten Elementen ist. Diese Vorträge verdeutlichten, dass die Resilienz urbaner Räume massgeblich von einer aktiven Beteiligung der Bevölkerung sowie von einem uneingeschränkten Zugang für alle Bevölkerungsgruppen zu städtischer grüner Infrastruktur abhängt.

Die Zukunft gestalten: Innovation, Politik und Professionalisierung

Der dritte Themenschwerpunkt richtete den Blick nach vorne und konzentrierte sich auf Governance, Innovation und integrierte Politik für die nächste Generation von Urban Foresters. Zu Beginn stellt Ward De Witte (PXL BIO-Research) das Projekt «Climate Trees in Limburg» vor. Dieses unterstützte 41 Gemeinden bei der Einführung datengestützter Massnahmen zum Baumschutz. Die Initiative führte zu einer Verdopplung der lokalen «Visionspläne für Bäume» und bewies somit, dass gezielter Kapazitätsaufbau und Unterstützung auf höherer Ebene für den Erfolg politischer Massnahmen von entscheidender Bedeutung sind. Simone Borelli (ehemals FAO-Vertreter für Urban Forestry) reflektierte über die letzten zehn Jahre seit der Einführung der Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für Urban Forests und Urban Forestry (2015). Er zeichnete die Transformation des Sektors zu einer strategischen Säule der nachhaltigen Stadtentwicklung nach, die im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen, dem Pariser Klimaabkommen und der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen 2020–2030 steht. Zum Schluss veranschaulichte Patrick Bellan (Stadt Malmö) praktische Fortschritte durch die Diversifizierungsstrategie der Stadt Malmö. Sie beinhaltet die Kartierung des Baumkronendachs und die Einführung der 3-30-300-Regel für eine nachhaltige, resiliente und gesunde Stadtentwicklung, bei der Bäume und Wälder das Herz der Stadtplanung bilden. Seine Fallstudie zeigte, wie Daten, abteilungsübergreifende Koordination und Designinnovationen zu widerstandsfähigeren Baumbeständen führen können.

Haupterkenntnisse und Fazit

EFUF ist nicht nur eine Plattform für wissenschaftlichen Austausch, sondern auch ein Ort gelebter Interdisziplinarität und internationaler Zusammenarbeit. Über alle Beiträge hinweg kristallisierten sich vier zentrale Erkenntnisse heraus:

  • Integration: Urban Forestry muss ökologische, gesundheitliche, planerische und politische Dimensionen verbinden – Bäume sind Teil der urbanen Infrastruktur, nicht blosse Dekoration.
  • Partizipation: Die Einbindung der Gesellschaft und Interessengruppen schafft Legitimität und fördert die langfristige Pflege von Urban Forests.
  • Innovation und Transdisziplinarität: Digitale Werkzeuge, ökologische Datenerhebung und transdisziplinäre Forschung liefern die Grundlage für ein evidenzbasiertes und adaptives Management.
  • Bildung und Zusammenarbeit: Bildung, berufliche Weiterbildung und internationale Netzwerke wie das EFUF sind entscheidend für nachhaltige Entwicklungen in Urban Forestry.

Insgesamt zeigte sich ein reifendes Fachgebiet, das Wissenschaft, Praxis und Empathie miteinander verbindet. Das EFUF 2025 steht damit nicht nur für eine Fachkonferenz, sondern für ein Manifest des Handelns – einen Aufruf an Forschende, an Fachleute in der Praxis und an Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, gemeinsam an der Planung, dem Schutz und der Weiterentwicklung der Urban Forests der Zukunft zu arbeiten. Das kann die Transformation der Städte zu gesunden, resilienten und nachhaltigen Städten ermöglichen.

Weitere Informationen

Dank

An das Bundesamt für Umwelt (BAFU), das Waldlabor, die ETH Zürich, die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), den Internationalen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) und das European Forest Institute (EFI) für die wertvolle Zusammenarbeit.

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