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Nachruf: Strassenbau für den Waldbau
01.09.2025
Nekrolog
Oswald Hämmerli, ehemaliger Kreisoberförster im Forstkreis 3 Sursee, ist am 22. Mai 2025 gestorben. Seine Jugendjahre verbrachte er an verschiedenen Orten in den Kantonen Bern, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Glarus. Sein Studium schloss er 1962 als dipl. Forstingenieur ETH ab. Die damals für das Wählbarkeitszeugnis obligatorischen Praktika hatte er in Schaffhausen und Chur absolviert. Somit standen ihm die Türen für Aufgaben im öffentlichen Forstdienst offen. Im gleichen Jahr wurde Oswald Hämmerli als Forstadjunkt beim damaligen Kantonsoberforstamt Luzern angestellt. Im Zuge der Neuorganisation des Forstdienstes wurden die vier Forstkreise auf sechs erweitert und das Kreisforstamt 3 Sursee geschaffen. Am 1. April 1964 ist Oswald Hämmer im jungen Alter von 26 Jahren mit der Leitung betraut und zum Kreisoberförster befördert worden. In seinen Bilanzen nach 20, 25 und 35 Dienstjahren mit umfangreicher schriftlicher Dokumentation kommt zum Ausdruck, dass er mit den ausgeprägten Privatwaldverhältnissen nicht vertraut war und als «Auswärtiger» die Aufgaben mit grossem Respekt angetreten hat.
Zeitgemässe Erschliessungen gefördert
Seine Analyse zu Beginn kommt zum Schluss: Um einen naturnahen Waldbau zu betreiben und Holz zu ernten, muss der Wald zeitgemäss erschlossen sein. Daraus hat er Zielsetzungen abgeleitet und in unermüdlichem und gewissenhaftem Schaffen die kleinteiligen Parzellenstrukturen und die Erschliessungen aus der vormechanisierten Epoche in nicht weniger als 24 Waldzusammenlegungen optimiert und neu angelegt. Die erreichten Kennzahlen mit fast 300 km neuen Waldstrassen und 63 km Maschinenwegen, den Arrondierung der Parzellen von 2400 Waldeigentümern und den Investitionen von Bund und Kanton von 44 Mio. Franken sind eindrücklich. Sie zeigten ihre Wirkung. In den 35 Jahren seiner Amtszeit konnte er die Holznutzung mit seinem Team kontinuierlich steigern. Die Nutzungsquote lag über jener des Kantons und der Schweiz. Der Waldbau konnte nun gezielter gestaltet werden.
Einsatz für professionelle Strukturen
Auch wenn sich Oswald Hämmerli die neue Ausrichtung der Forstorganisation 1999 am Ende seiner Amtszeit mit einer Entflechtung der betrieblichen und hoheitlichen Strukturen anders vorgestellt hatte, ist klar, dass eine effiziente Waldbewirtschaftung und der weitere Aufbau der betrieblichen Strukturen mit drei regionalen Waldorganisationen im Gebiet des ehemaligen Forstkreises 3 ohne die erreichten Verbesserungen nicht so rasch möglich gewesen wären. In der Folge konnte der Anteil der organisierten Waldfläche, die von einer eigenen Forstfachperson betreut wird, von ursprünglich 20 auf 88 Prozent gesteigert werden. Oswald Hämmerli hatte sich immer für die Professionalisierung der Strukturen eingesetzt. Zu Beginn seiner Amtszeit führte er 31 Bannwarte und 8 Unterförster im Nebenamt. Im Zuge der Revision des kantonalen Forstgesetzes von 1969, bei der er aktiv mitgewirkt hatte, wurden die Volkswahl der Unterförster abgeschafft und die Grundlagen für Forstreviergemeinschaften eingeführt. In seiner Amtszeit betreute er auch 15 ETH-Praktikanten. Einige davon waren später als Kreis- oder Kantonsoberförster tätig.
Den Aufbruch im Luzerner Wald geprägt
Bis zuletzt war Oswald Hämmerli ein treues SFV-Mitglied und an vielen Anlässen präsent. Ein Höhepunkt war die Jahresversammlung des Schweizerischen Forstvereins von 1979 in Sursee. Er leitete die Schlussexkursion am Samstag und zeigte die Strukturverbesserungen im Privatwald auf. Rückblickend betrachtet war es eine Epoche des Aufbruches, die Oswald Hämmerli aktiv geprägt hat. Für sein grosses Schaffen und Wirken für den Luzerner Wald und insbesondere für die Verbesserung der forstlichen Strukturen in seinem ehemaligen Forstkreis sind wir Oswald Hämmerli sehr dankbar.
Bruno Röösli, Leiter Forstkreis Sursee-Willisau/Hochdorf (1999–2007), Leiter Abteilung Wald lawa (ab August 2016)
Erwin Meier, ehemaliger Förster Kreisforstamt 3 Sursee und Leiter Staatsforstbetrieb Kanton Luzern
Schweiz Z Forstwesen 176 (5): 293.