- Aktuell
ETH-Lehre im Wandel
Die ETH Zürich steht vor einer weitreichenden Anpassung ihres akademischen Kalenders. Dies beinhaltet eine grundlegende Neuausrichtung der Lehre, um auch künftig die hohe Qualität der Ausbildung sicherzustellen.
01.11.2025
Wald + Landschaft an der ETHZ · Forêt + paysage à l’EPFZ
Ab dem Herbstsemester 2027 kommt es im Rahmen des ETH-Projekts «Prüfungswesen und akademischer Kalender» (PAKETH) zu grundlegenden Reformen. Dabei wird der akademische Kalender angepasst. Die Sommerprüfungssession ist von der offensichtlichsten Neuerung betroffen: Sie wird vom August auf Anfang Juli vorverlegt. Zudem wird es – analog zum Frühlingssemester – neu auch im Herbstsemester eine Woche unterrichtsfreie Zeit geben. Ab dem Herbstsemester 2027 profitieren die Studierenden also von mehr freier Zeit. Gleichzeitig bedeutet das für die Lehrenden: Sie müssen die gewohnte Ausbildungsqualität in einer verkürzten Vorlesungszeit sicherstellen. Dies bedingt Neuerungen über alle Departemente und Studiengänge hinweg. Dazu gehört unter anderem die Neugestaltung einzelner Lehrveranstaltungen. Die Waldausbildung an der ETH steht jedoch nicht zur Debatte und wird weiterhin bestehen bleiben.
Drei Arbeitsgruppen gebildet
Das Departement Umweltsystemwissenschaften (D-USYS), zu dem auch das für den Major Wald- und Landschaftsmanagement verantwortliche Institut für terrestrische Ökosysteme (ITES) gehört, hat die anstehenden Veränderungen frühzeitig erkannt. Es hat deshalb die Studiengangsinitiative (SI²) lanciert, um die beiden Studiengänge Agrarwissenschaften und Umweltnaturwissenschaften parallel zu überarbeiten. Ziel ist es, die Lehre unter den neuen Bedingungen zukunftsfähig zu gestalten.
Im Rahmen der SI² wurden drei Arbeitsgruppen gebildet. Eine beschäftigt sich mit den kompetenzorientierten Curricula, eine andere mit innovativen Lehrmethoden und die dritte mit den Curriculumstrukturen.
Umweltnaturwissenschaften im Fokus
Ein Meilenstein der SI² war ein im März 2025 durchgeführter Praxisworkshop. Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis nahmen daran teil. Dazu gehörten Arbeitgebende, Alumni sowie Partnerinnen der Studiengänge Umweltnaturwissenschaften und Agrarwissenschaften.
Diskutiert wurden entscheidende Fragen für die Zukunft der Absolventen. Zum Beispiel:
- Welche Fähigkeiten benötigen Absolventinnen und Absolventen für einen erfolgreichen Berufseinstieg?
- Welche Kompetenzen werden im Jahr 2040 besonders gefragt sein?
In den Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis fielen immer wieder Schlagworte wie Interdisziplinarität, Systemdenken, IT-Kenntnisse, Praxisbezug, Projektmanagement und Sozialkompetenz. Solide Kenntnisse in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bleiben gemäss den Teilnehmenden weiterhin von zentraler Bedeutung. Insbesondere der Praxisbezug wurde als essenziell erachtet, da Projekte oft nicht an technischen Lösungen, sondern an der Umsetzung im Zusammenspiel verschiedener Akteure scheiterten.
In den Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis fielen immer wieder Schlagworte wie Interdisziplinarität, Systemdenken, IT-Kenntnisse, Praxisbezug, Projektmanagement und Sozialkompetenz.
Es herrschte Einigkeit darüber, dass das Studium nicht alle für die vielfältigen Berufsfelder relevanten Kompetenzen abdecken kann. Die Studierenden sollen die Freiheit haben, auch Kurse zu belegen, bei denen nicht der unmittelbare Nutzen im Zentrum steht. Die verschiedenen Inputs aus diesem Workshop fliessen nun in die Überarbeitung der Qualifikationsprofile ein. Diese bilden die Grundlage für die Ausrichtung des Curriculums Umweltnaturwissenschaften und dessen Spezialisierungen (z.B. Wald- und Landschaftsmanagement). Die lehrbezogenen Reformen der ETH Zürich und des D-USYS stellen sicher, dass die Ausbildung weiterhin den verschiedenen Anforderungen auf höchstem Niveau entspricht.
Noëmi Brüggemann, Anouk N'Guyen, Monica Casutt
Schweiz Z Forstwes 176 (6): 337.
ETH-Projekt «Prüfungswesen und akademischer Kalender» (PAKETH)
Neuerungen über alle Departemente und Studiengänge hinweg. Neugestaltung einzelner Lehrveranstaltungen.
Studiengangsinitiative² (SI²)
Überarbeitung der Bachelorstudiengänge Agrarwissenschaften und Umweltnaturwissenschaften bis 2027.
Praxisworkshop
Workshop mit der Praktikerinnen und Praktikern zu Ideen für zukunftsfähige Kompetenzen.