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Eine lebendige Sache

Seit zehn Jahren engagiert sich die Arbeitsgruppe Waldbiodiversität für vielfältige Schweizer Wälder. Sie hat sich zur zuverlässigen Plattform für Wissensvermittlung für komplexe Interaktionen aller Lebewesen im Wald entwickelt.

01.01.2026

Georg von Graefe (Stadtoberförster von Baden [AG], im roten T-Shirt rechts) und Marcel Murri (im grünen T-Shirt links) führten die Jubiläumsgesellschaft durch das Naturwaldreservat Teufelskeller.
Georg von Graefe (Stadtoberförster von Baden [AG], im roten T-Shirt rechts) und Marcel Murri (im grünen T-Shirt links) führten die Jubiläumsgesellschaft durch das Naturwaldreservat Teufelskeller.

AG Waldbiodiversität · GT Biodiversité en forêt

Die AG Waldbiodiversität des Schweizerischen Forstvereins (SFV) feierte 2025 das zehnjährige Bestehen. Auslöser für die Gründung war die 2015 erschienene Vollzugshilfe «Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen» des Bundesamts für Umwelt (BAFU), die als eine von sechs Massnahmen die Förderung der Wissensvermittlung vorsieht. Der Vorstand des SFV reagierte schnell und initiierte die Gründung einer Arbeitsgruppe, die für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Akteuren im Bereich Förderung der Waldbiodiversität sorgen sollte.

Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch sind beim komplexen Thema Waldbiodiversität zentral. Eine grosse Vielfalt kennzeichnet die Schweizer Wälder mit ihrem breiten Spektrum an zum Teil sich widersprechenden Ansprüchen der Pflanzen-, Pilz- und Tierarten an ihren Lebensraum. Die Prinzipien des naturnahen Waldbaus sind zwar eine wichtige Voraussetzung für die biologische Vielfalt im Wald, genügen bei genauer Analyse jedoch nicht für die Sicherstellung umfassender Biodiversität.

2015 hatten sich etliche Kantone schon viele Jahre mit der Förderung der Waldbiodiversität beschäftigt, andere standen noch ganz am Anfang. Auch diesem Aspekt wollte man Rechnung tragen und der Diskussion um ökologische Themen im Wald und in der Waldbewirtschaftung Aufwind geben.

An der ersten Sitzung am 19. Februar 2015 an der ETH trafen sich fünf Personen (Peter Brang, Caroline Heiri, Kurt Bollmann, Rita Bütler, Ueli Bühler). Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 25. und 26. Juni 2015 auf dem Herzberg (AG) mit 47 Teilnehmenden statt. Nach Inputreferaten wurden in Workshops Ziele und das Vorgehen der Arbeitsgruppe umrissen sowie ein Themenkatalog mit Prioritätensetzung aufgestellt.

Praxistagungen als Herzstück und Highlight

Es war von Beginn an klar, dass die Arbeitsgruppe breit aufgestellt sein musste. Dies ist auch gelungen: An ihren Tagungen sind nicht nur kantonale Ämter für Wald und Naturschutz sowie Abteilungen des BAFU vertreten, sondern auch Ökobüros, Naturschutzorganisationen, WaldSchweiz sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ETH, WSL und HAFL. Um diese Breite zu ermöglichen, steht das Mitwirken in der Arbeitsgruppe auch Nichtmitgliedern des SFV offen, und es wird in Deutsch und in Französisch kommuniziert.

Die eigentliche Arbeit findet an Tagungen statt. In den letzten zehn Jahren behandelte die Arbeitsgruppe die Themen «Lichter Wald», «Alte Bäume und Totholz», «Ökologische Infrastruktur im Wald», «Feuchte Wälder», «Wald im Wandel» sowie «Wechselwirkungen zwischen Wildtieren und Biodiversität». Zu jedem Thema wurde zunächst eine eintägige Fachtagung mit Referaten durchgeführt, der im Abstand von ungefähr einem halben Jahr eine oder mehrere, meist zweitägige Praxistagungen folgten. Dabei wurde das Thema an konkreten Objekten vertieft betrachtet: Wie sinnvoll ist die Zielsetzung, sind die Massnahmen zielführend, welche Schwierigkeiten treten auf, wird die erwünschte Wirkung erzielt? In der Regel wurden diese Fragen in kleinen Gruppen besprochen und die Resultate im Plenum zu einer Synthese zusammengeführt. 2 der bisher 19 Tagungen wurden mit der SFV-Arbeitsgruppe Wald und Wildtiere durchgeführt.

An den Tagungen zahlt sich aus, dass neben den Arbeitsgruppenmitgliedern auch lokale Kennerinnen und Kenner vor Ort mit sehr unterschiedlichem Wissen und beruflichem Hintergrund vertreten sind. Auf diese Weise fliessen wertvolle Erfahrungen aus der Praxis ein und können Fragen vor Ort im direkten Kontakt geklärt werden. Die Resultate der Tagungen sind auf der Website des SFV publiziert. Sie sollen Akteurinnen und Akteure, die sich für die Sicherung und Förderung der Waldbiodiversität einsetzen, bei ihren Entscheidungen unterstützen.

Aufgaben der Kerngruppe

Eine Kerngruppe von zehn oder elf Personen leitet die Arbeitsgruppe. In der Regel trifft sie sich dreimal pro Jahr. Ihre Hauptaufgaben liegen darin, Themen, Inhalte, Aufbau und Austragungsort der Tagungen auszuwählen und kompetente Fachpersonen als Referentinnen und Referenten zu finden. An den Mitgliederversammlungen können die Teilnehmenden Rückmeldungen zu den Tagungen und Vorschläge für die weitere Tätigkeit der Arbeitsgruppe vorbringen oder Neuigkeiten aus ihrem Tätigkeitsbereich mitteilen. Diese Rückmeldungen bilden für die Kerngruppe eine wichtige Orientierungshilfe. Ihre Geschäftsstelle erledigt die Knochenarbeit wie die Detailorganisation der Tagungen, das Protokollieren der Tagungsresultate und der Kerngruppensitzungen und das Erstellen der Abrechnungen. Ueli Bühler leitete die Arbeitsgruppe bis Mitte 2021. Seither nimmt diese Aufgabe Steffi Burger wahr. Die Geschäftsstelle führte bis 2023 Nicole Imesch, anschliessend übernahm Florian Walter.

Viel Arbeit geschieht auf freiwilliger Basis. Die Teilnahmegebühren decken die Kosten der Tagungen. Nachdem anfänglich das BAFU einen Teil der Kosten für die Geschäftsstelle direkt übernahm, finanziert sie nun der SFV, der seinerseits vom BAFU finanziell unterstützt wird.

Zur Sicherung und Verbesserung der Tätigkeiten in der Arbeitsgruppe erarbeitete Nicole Imesch 2019 eine Zwischenevaluation.

Engagement auch ausserhalb der Tagungen

Zusammen mit InfoSpezies initiierte die AG Waldbiodiversität ein EDV-Tool zur Verknüpfung der Zielarten- mit der Lebensraumförderung und führte Praxistests dazu durch. Zudem hat sie ein Formular zur Ausführung einer Wirkungsanalyse entworfen. Das BAFU hat dieses weiterverarbeitet und im Programmhandbuch Programmvereinbarungen im Umweltbereich (NFA) implementiert. Weiter entwarf die Arbeitsgruppe einen Vorschlag, wann und wie bei der Schutzwaldpflege ohne wesentliche finanzielle Einbussen Totholz gefördert werden kann. Zudem wirkte ein Vertreter der Arbeitsgruppe an einer GWG-Tagung zum Thema Störungen mit. Das Wissen und die Wichtigkeit der möglichen Fördermassnahmen im Schutzwald werden 2026 und 2027 zusammen mit dem BAFU weiterverfolgt. Die SFV-Debatte vom Juni 2021 wurde von der AG Waldbiodiversität durchgeführt. Viel Arbeit steckt im SZF-Heft 6/2021 über Massnahmen für die Biodiversität im Wald, das Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgruppe konzipiert und redigiert haben. Bereits 2023 starteten die ersten Brainstorming-Arbeiten an einer Publikation zur natürlichen Dynamik im Wald. Diese wurden im Herbst 2025 abgeschlossen. Das «Argumentarium für natürliche Dynamik» wird demnächst auf der Website des SFV publiziert. An einer Weiterverarbeitung in den Kantonen zwecks einfacher und praxisnaher Information der Förster und Waldeigentümerinnen wird geschliffen.

Auf weitere zehn Jahre!

Die Arbeitsgruppe stiess von Anfang an auf ein breites Interesse und zählt rund 100 Mitglieder. Die Tagungen besuchen gewöhnlich um die 50, häufig wechselnde Personen – wahrscheinlich weil die Themen nicht immer dieselben ansprechen. Andererseits konnten so immer wieder neue Fachkräfte angezogen und im besten Fall zum Mitwirken in der Arbeitsgruppe motiviert werden. Ernüchternd ist, dass viele Fragen, die an den Tagungen aufgeworfen wurden, trotz der Anwesenheit von Fachleuten nicht beantwortet werden konnten oder mangels Interesse verworfen wurden. Hier zeigt sich einmal mehr die Komplexität des Themas Waldbiodiversität und von praxisnaher Forschung. Viele Abläufe in der Natur kennt der Mensch noch nicht bis ins Detail. Auch die Praxiserfahrungen sind je nach Waldstandort unterschiedlich, was eine fixe Beurteilung erschwert.

Ihre anhaltende Vitalität verdankt die AG Waldbiodiversität dem Engagement zahlreicher Personen aus unterschiedlichen Berufssparten. In der Kerngruppe und an den Tagungen ist immer wieder zu spüren, wie sehr das Thema Biodiversität im Wald die Mitwirkenden begeistert und dass sie bereit sind, sich dafür einzusetzen – Ansporn genug, um auch in den nächsten zehn Jahren gute Lösungen für die Förderung der Waldbiodiversität zu suchen.

Ueli Bühler, Steffi Burger

Spezifisches Netzwerk für Fachleute

Die Arbeitsgruppe Waldbiodiversität des Schweizerischen Forstvereins (SFV) besteht aus rund 100 Personen, die sich beruflich mit dem Thema Waldbiodiversität beschäftigen. Die Arbeitsgruppe fördert die Fachkompetenz der  Mitglieder mittels Erfahrungsaustausch und Praxisbeispielen. Sie begleitet die Entwicklung und Umsetzung von Biodiversitätsfördermassnahmen, engagiert sich in der Aus- und Weiterbildung der Waldfachleute und sensibilisiert Waldeigentümer, Politik und Öffentlichkeit für die Bedeutung der Waldbiodiversität.

Herzliche Gratulation!

Der Vorstand dankt allen Engagierten in der Kerngruppe als Mitgliedern und Teilnehmenden an den Veranstaltungen für das Interesse und die Arbeit zugunsten eines lebendigen Schweizer Waldes.

Regina Wollenmann, Präsidentin

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