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CO2-Speicherzertifikate für den Holzbau fördern die Stammholzbewirtschaftung
Während bislang der Wald im Zentrum von CO2-Speicherprojekten stand, rückt nun der Holzbau ins Blickfeld von Investoren. Seit 2024 bietet ein Schweizer Projektentwickler erstmals ein CO2-Speicherzertifikat für den Holzbau zugunsten von Waldbesitzerinnen und Bauherren an. Eine Ergänzung des Beitrags von Peter Greminger.
01.09.2025
Meinung
Getrieben vom rasanten Waldverlust in den Ländern des Südens, fokussierten erste CO2-Speicherkonzepte auf die Walderhaltung. Die Ansätze wurden später in die Wälder der Mittelbreiten übertragen, um einen Beitrag zur chronischen Unterfinanzierung der Waldarbeiten zu leisten. CO2-Entschädigungen für die Kohlenstoffbindung im stehenden Holz sollten der langfristigen Erhaltung des Waldes zugutekommen. Dies führte in der ersten Phase zum forstwirtschaftlich unerwünschten Nutzungsverzicht. Inzwischen ist ein Vorratsabbau möglich, was aber zur Reduktion des im stehenden Holz gespeicherten CO2 und dessen Entschädigung führt.
Zwei Entwicklungen leiten seit 2022 ein Umdenken ein: Erstens haben beachtliche Waldschäden durch Käfer, Sturm und Feuer weltweit viele CO2-Waldprojekte unter Druck gesetzt. Die mit CO2-Geldern finanzierten Klimaleistungsversprechen lösten sich über Nacht in Luft auf. Zweitens setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Bau- und Immobilienwirtschaft auch dringend dekarbonisiert werden muss. Diese Branche verantwortet 37 Prozent der weltweiten Emissionen, ist aber bislang keinem CO2-Pflichtmarkt unterstellt wie die Luft- oder die Schifffahrt.
Der Holzbau weist eine deutlich bessere CO2-Bilanz auf als jener mit Stahl und Zement, solange diese nicht CO2-neutral hergestellt werden (siehe auch Greminger 2025). Unter Einbezug der gesamten Holzkette vom Wald bis zum verbauten Holz ist der Holzbau von IPCC1, UNFCCC2 und EU3 als eine sogenannte Negativemissionstechnologie4 (NET) anerkannt: CO2 wird im Wald sequestriert, über die Holzverarbeitungskette in Bauelemente transformiert und final in der Tragkonstruktion im Holzbau permanent gespeichert.
Die Preise für CO2-Verminderungsprojekte («carbon avoidance») sinken. Als Zukunftsmarkt wird der CO2-Speichermarkt5 («carbon removal») gesehen mit Nachweis für langfristige Speicherung. Investitionen gehen in technische Lösungen wie Direct Air Carbon Capture und Storage (DACCS), Bioenergy Carbon Capture and Storage (BECCS) oder Pflanzenkohle bzw. Pyrolyse (PyCCS). Vergessen ging dabei weitgehend Timber Carbon Capture and Storage (TCCS) und die Holzbaukette als einfachste, schnell skalierbare Technologie, die im Gegensatz zu allen anderen Ansätzen keine grosse Infrastruktur braucht. Wald, Holzindustrie und Holzbau sind bereits vorhanden, es entstehen die geringsten Zusatzkosten pro gespeicherter Tonne CO2. Zudem bringt der Holzbau unter den CCS-Ansätzen zusätzlich wesentliche Substitutionseffekte, indem er emissionslastige Baumaterialien ersetzt.
Vergütungen an Bauherrschaft und an den Wald
Unter diesen Voraussetzungen hat Timber Finance 2022 begonnen, einen neuen Ansatz für CO2-Holzbauspeicherzertifikate unter dem VCS-Standard6 für den freiwilligen Markt zu entwickeln. Nach einer weltweiten Vernehmlassung wird die Zulassung der Methodologie für den DACH-Raum und die Zertifizierungsfähigkeit der Projekte im Herbst 2025 erwartet. Kernstück des neuen Ansatzes ist der langfristige Nachweis der CO2-Speicherleistung in der Tragstruktur des verbauten Holzes. Es kann auch die Substitutionsleistung durch den Ersatz von Stahl und Beton validiert werden, was zu zusätzlichen CO2-Vermeidungszertifikaten führt.
In der Adaption der internationalen Methodologie auf Schweizer Verhältnisse erhält die Bauherrschaft für ihr Bauprojekt nicht die ganze CO2-Entschädigung. Ein Teil der Vergütung geht zurück in den Wald für spezifische, unterfinanzierte Waldmassnahmen zur Förderung der Stammholzproduktion ab Waldverjüngung bis Ernte. Damit stützt die Methode auch die Wettbewerbsfähigkeit des Stammholzes gegenüber dem Energieholz, da immer mehr Holzsegmente aus finanziellen Gründen verbrannt und nicht verbaut werden.
Wie alle CO2-Konzepte muss auch der Timber-Finance-Ansatz solide und anerkannte methodische Antworten zu Messbarkeit, Verifizierbarkeit, Additionalität, Doppelzählung und Permanenz liefern, um die höchsten Anforderungen zu erfüllen und den besten Preis zu erhalten. Hierfür gibt es Standardorganisationen, die Methoden akkreditieren und anerkennen. Timber Finance hat sich für den weltweit führenden Industriestandard von VERRA7 entschieden, da die Zertifizierung eben nicht im Wald, sondern im Bereich Bau stattfindet. Es wird kein Weg an der Entnahme und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre vorbeiführen.
Thomas Fedrizzi, Timber Finance, thomas.fedrizzi@timberfinance.ch
Schweiz Z Forstwesen 176 (5): 292.
Mit Holz das Netto-Null-Ziel erreichen. Schweiz Z Forstwes 176 (1): 33–35.doi.org/10.3188/szf.2025.0033