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Wie Wald und Holz näher zusammenrücken

Vertreterinnen und Vertreter der Holz- und Waldwirtschaft, des Forstdiensts und der Wissenschaft diskutierten am Montagskolloquium der ETH Zürich über die Herausforderungen der Wald-Holz-Bereitstellungskette. Die Verwendung von Holz ist zentral, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Doch die inländische Holzbereitstellung sicherzustellen, ist anspruchsvoll.

25.02.2026

SwissForestLab

Im Dezember 2025 veröffentlichte der Bund die Integrale Wald- und Holzstrategie 2050. Der Bericht hält in der Vision unter anderem fest, dass die einheimische Ressource Holz nachhaltig genutzt wird und dass die Wertschöpfungskette Wald und Holz umwelt- und sozialverträglich, regional verankert und wettbewerbsfähig ist. Einen Monat später – das Timing war perfekt – fand an der ETH Zürich ein Montagskolloquium zu diesem Thema statt. Die Veranstaltung mit dem Titel «Wertschöpfung in der Wald-Holz-Bereitstellungskette» bot einen guten Überblick über die zu bewältigenden Herausforderungen.

Die Wald- und Holzkette stehe aktuell vor grossen Veränderungen, sagte Janine Schweier von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Die Rohstoffverfügbarkeit werde unsicherer, und die Märkte wandelten sich. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen an Nachhaltigkeit, Transparenz und Effizienz. Somit stellt sich die Frage, wie es gelingt, die Wertschöpfung entlang der gesamten Kette vom Wald bis zum Bauwerk langfristig zu sichern.

Für Michael Gautschi, Direktor von Holzindustrie Schweiz, ist es erfreulich, dass der Marktanteil von Holz im Schweizer Gebäudepark zunehme. Doch die Anforderungen an das Holz als Bauprodukt stiegen. Als Beispiel nannte Gautschi die Dokumentationspflicht, die in Zusammenhang mit der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) derzeit eingeführt wird. So müssen exportierende Unternehmen ihren Kunden viele Daten liefern, damit diese ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen können. Dies sei mit hohen Kosten verbunden.

Holzangebot: Wunsch und Realität

Seit 2022 sind die Holzerntemengen im Schweizer Wald rückläufig. Die Gründe dafür sind laut Gautschi vielfältig. Dazu zählten etwa weniger Zwangsnutzungen, wachsende Anforderungen an Biodiversität und Erholung, eine zunehmend nutzungskritische Bevölkerung und die Sorge der Forstdienste vor negativen Reaktionen. Die Holzindustrie sei nach wie vor stark auf Nadelholz ausgerichtet. Um die Nachfrage nach Nadelholz künftig zu decken, könnten Gebirgswälder wichtiger werden. Oder auch Gastbaumarten wie die Douglasie. Potenzial liege auch im Privatwald. Aber auch die Verwertung von Laubholz und minderwertigen Sortimenten sei wichtig. Dafür sind laut Gautschi hohe Investitionen erforderlich.

Dies bestätigte Pirmin Fischbacher. Der Unternehmer betreibt im Toggenburg eine Sägerei und einen Holzverarbeitungsbetrieb. Das Holz beziehe er aus der Region, vor allem Fichten und Tannen. Regionale Produkte böten laut Fischbacher für Unternehmen eine grosse Chance. So konnten seine Betriebe Holz aus dem Zürcher Staatswald einsägen und verarbeiten, das der Kanton Zürich für eigene Bauten verwendet.

Bauen mit eigenem Holz

Der Zürcher Kantonsforstingenieur Kurt Hollenstein stellte dieses Projekt vor. Die Baudirektion des Kantons Zürich habe 2021 festgelegt, dass bei Projekten des Kantons die Verwendung von Holz aus dem Staatswald geprüft werden solle. Kantonseigenes Holz werde nun bei den Neubauten des Bezirksgerichts in Hinwil und des Sozialversicherungsgerichts in Winterthur verwendet.

Die benötigten Holzmengen an Fichte und Tanne betrügen insgesamt rund 4600 Festmeter. Weil das Holz stets in der Hand des Kantons verbleibe, könne das Beschaffungsrecht eingehalten werden. Vorteile für den Staatswaldbetrieb seien Planungssicherheit und faire Preise, so Hollenstein. Auf die Frage, wie die Preisbildung erfolge, antwortete Hollenstein, dass dies in diesem Kontext nicht so entscheidend sei. Würden die Holzpreise etwas zu hoch angesetzt, nehme der kantonseigene Staatswaldbetrieb etwas mehr ein. Seien diese hingegen etwas zu tief, profitiere der Kanton als Bauherr. Worin der Nutzen konkret bestehe, war eine weitere Frage. Ein ökologischer Vorteil besteht laut Hollenstein unter anderem in den kurzen Transportwegen.

Die Förderung von Holz als Bau- und Werkstoff im Kanton Zürich soll mithelfen, die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Absenkpfad der Treibhausgasemissionen gemäss der kantonalen Klimastrategie hat gezeigt, dass der Speichereffekt eines Holzbauszenarios relevant sei, um das Netto-Null-Ziel bis 2040 zu erreichen, sagte Simon Ammann von der Abteilung Wald des Kantons Zürich. Um dieses Potenzial zu erschliessen und vermehrt eigenes beziehungsweise lokales Holz zu verwenden, seien Massnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ergreifen. So wurde unter anderem ein Programm zur Optimierung der Bewirtschaftungsstrukturen und der Prozesse mit Fokus auf den kleinparzellierten Privatwald gestartet.

Baumartenvielfalt und Pflegekosten

Weitere Vorträge beleuchteten die forstbetriebliche Seite. Jasper Fuchs von der ETH Zürich beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern Baumartenvielfalt die betrieblichen Risiken reduziert. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen war die Situation im Harz (D) mit den grossflächigen Waldschäden. Mit Waldbau könne negativen Klimaeffekten entgegengewirkt werden, und eine Baumartenmischung sei auch ökonomisch attraktiv, sagte Fuchs. Die Modellergebnisse ergaben jedoch auch, dass zunehmende Extremereignisse die ökonomischen Vorteile der Baumartendiversifikation senkten. Das Problem entstehe durch höhere Verjüngungs- und Pflegekosten im Rahmen der Baumartenanreicherung, der Mischungspflege und des Schutzes vor Wildverbiss. Diese Investitionen könnten durch Extremereignisse zunichtegemacht werden.

Das Modell des Berner Staatsforstbetriebs stellte Lioba Rath vor. Der Kanton Bern besitzt, verteilt über den ganzen Kanton, 12 700 Hektaren Wald. Dieser wird durch den Staatsforstbetrieb bewirtschaftet, mit dem Ziel der Eigenwirtschaftlichkeit. Der Fokus liegt dabei auf dem Kerngeschäft der Holznutzung. «Ein wichtiger Aspekt bei der betrieblichen Organisation sei die Trennung von Waldbau (biologische Produktion), Ausführung (technische Produktion) und Holzvermarktung», sagte Lioba Rath. Damit könnten sich die Fachpersonen voll und ganz ihrem Bereich widmen.

Limitierende Walderschliessung

Leo Bont von der WSL berichtete über die Rolle der Walderschliessung. Ungenutztes Holznutzungspotenzial gebe es vor allem in den Alpen und in den Voralpen. In diesen Regionen sei die Erschliessung jedoch oft ungenügend. Eine Möglichkeit bestehe darin, Waldstrassen mit Limitierungen für Lastwagen gezielt auszubauen. Generelle Erschliessungsnetzwerke sind laut Bont zu überprüfen, insbesondere wenn grössere Investitionen anstünden. Erschliessungsprojekte seien jedoch teuer. Ein Ansatz könnten multifunktionale Erschliessungen sein. In ihren Schlussbetrachtungen betonte Verena Griess (ETH Zürich), es gelte, die Vernetzung voranzutreiben und die Fragmentierung zu überwinden. Dafür brauche es Personen, die mit Projekten vorangingen.

Der Wille, die Probleme anzupacken und voranzukommen, sei bei den Beteiligten auf der Wald- und Holzseite zweifellos vorhanden. Die Herausforderungen, alles unter einen Hut zu bringen, blieben jedoch gross. Ob die Intergrale Wald- und Holzstrategie des Bundes entscheidende Impulse geben könne, müsse sich zeigen.

Lukas Denzler

Schweiz Z Forstwes 177 (2): 134.

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