• Wissen

Stammzahlen zur Verjüngung in Schweizer Wäldern nach Region und Höhenstufe 1995–2022

Wissen

Thomas Wohlgemuth1,*, Meinrad Abegg1, Andrea D. Kupferschmid1, Ugo Molteni1, Barbara Moser1, Petia Nikolova1, Daniel Scherrer1

1 Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Birmensdorf (CH)

Abstract

Angesichts der sich rasch ändernden klimatischen Bedingungen stellt sich die Frage, wie sich der Schweizer Jungwald verändert und ob die aufgrund der aktuellen Verjüngung absehbare Menge und die Zusammensetzung der Baumarten den zukünftigen Ansprüchen an den Wald genügen werden. In der vorliegenden Studie werden die repräsentativen Verjüngungserhebungen bezüglich Stammzahlen, die im Rahmen des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI) für die Zeiträume 1993–1995 (LFI2), 2009–2017 (LFI4) und 2019–2024 (LFI5; Daten von 56% der Stichproben verfügbar) gemacht wurden, für biogeografischen Regionen und Höhenstufen sowie für zwei wichtige Standorttypen vergleichend analysiert und visualisiert. Hierfür verwenden wir die erfassten Stammzahlen pro Grössenklasse G1 10–39 cm (Anwuchs), G2 40–129 cm (Aufwuchs) und G3 ≥130 cm mit <12 cm BHD (Dickung). Landesweit stiegen die mittleren Stammzahlen im Anwuchs signifikant von 11 540 Stück/ha (LFI2) auf 14 400 Stück/ha (LFI4) und verringerten sich danach (LFI5) deutlich auf 11 900 Stück/ha. Im Aufwuchs stiegen die Stammzahlen zwischen LFI2 und LFI4 von 2900 auf 3770 Stück/ha und in der Dickung von 1660 auf 1970 Stück/ha deutlich an und verblieben danach (LFI5) auf diesem Niveau. Während die Stammzahlen im Jura und im Mittelland rund doppelt so hoch sind wie im landesweiten Mittel, erreichen sie in den Zentralalpen und auf der Alpensüdflanke die tiefsten Werte. Generell hat der Laubholzanteil zugenommen, wobei massgeblich die Buche zahlreicher wurde. Dagegen nahm die Esche von LFI4 zu LFI5 in allen Grössenklassen deutlich ab. Als Gründe für die Zunahme der Laubbäume kommen vor allem Zwangsnutzungen infolge zunehmender Extremereignisse und der Klimawandel infrage. Die Verjüngung in den Waldöffnungen ist eine Chance für die natürliche Anpassung an veränderte Umweltbedingungen.

Schweiz Z Forstwesen 177 (2): 81–91.https://doi.org/10.3188/szf.2026.0081

*Zürcherstrasse 111, CH-8903 Birmensdorf, E-Mail:thomas.wohlgemuth@wsl.ch

Zukünftige Wälder sollen dem wärmeren Klima und den zunehmenden Extremereignissen, insbesondere Sommertrockenheit und Sturmereignissen, standhalten und gleichzeitig die gewünschten Waldleistungen erbringen. Angesichts der starken Veränderung der Eignungsgebiete für unsere einheimischen Baumarten bei den gängigen Klimaszenarien (Buras & Menzel 2019) kommen Zweifel auf, ob die natürlichen Verjüngungsprozesse genügend rasch ablaufen, damit sich zukunftsfähige Baumarten etablieren können. Ein Fenster in die Zukunft bieten die Verjüngungserhebungen des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI), das seit der ersten Inventur in den 1980er-Jahren den Jungwald systematisch erfasst. Abundanzveränderungen von Baumarten in der Jungwaldphase können Aufschluss darüber geben, ob und welche zukunftsfähigen Laub- und Nadelhölzer (tree-app.ch) sich bereits natürlicherweise ausdehnen (Temperli et al 2023). Die Betrachtung der Verjüngungsdynamik gibt zudem Anhaltspunkte für die anhaltende Diskussion über den Verjüngungsmangel, insbesondere im Gebirgsfichtenwald (z.B. Brang & Duc 2002, Krättli et al 2025), oder auch darüber, wie sich die Verjüngung nach den Winterstürmen Vivian (1990) und Lothar (1999) weiterentwickelt hat (Moser et al 2025).

Der vorliegende Bericht bilanziert die Veränderung und die Zusammensetzung der Verjüngung von Baumarten in den Schweizer Wäldern von 1995 bis 2022, basierend auf LFI2, LFI4 und LFI5 (Letzteres zu 56% erhoben; Brändli et al 2020, Thürig et al 2025). Damit soll die Bandbreite der Verjüngung in verschiedenen Jungwaldklassen (Anwuchs, Aufwuchs, Dickung) in den biogeografischen Regionen Jura, Mittelland, Alpennordflanke, Zentralalpen und Alpensüdflanke aufgezeigt werden. Ein Fokus ist auf die Höhenstufen der nadelholzreichen westlichen und östlichen Zentralalpen gesetzt, da dort ein hoher Anteil an Probeflächen ohne Verjüngung im LFI4 festgestellt wurde (Temperli et al 2023). Wichtige Faktoren, die die Häufigkeit und Zusammensetzung der Verjüngung beeinflussen, werden diskutiert.

Material und Methoden

Auf den Probeflächen des LFI wird die Verjüngung – junge Bäume und Sträucher von 10 cm Höhe bis Brusthöhendurchmesser (BHD) 11.9 cm – mit unterschiedlichen Methoden erfasst (Düggelin et al 2020). In diesem Artikel wird die Methode der Zählung von Pflanzen auf festgelegten Kreisflächen, abhängig von der Grössenklasse der Verjüngung, ausgewertet. Mit dieser lassen sich Stammzahlen, eine vertraute Grösse für die Praxis, hochrechnen.

Inventuren, Grössenklassen und Aufnahmekreise

Als Bezugsfläche für die Verjüngungsdynamik in Raum und Zeit wählten wir den zugänglichen Wald ohne Gebüschwald der Inventare mit fixen Verjüngungsaufnahmekreisen (Subplots), das heisst LFI2 (1993–1995; 5633 Probeflächen), LFI4 (2009–2017; 5955 Probeflächen) und LFI5 (2018–2022, 56% der Erhebungen verfügbar; 3358 Probeflächen, Tabelle 1). Beim noch nicht abgeschlossenen LFI5 sind fünf von neun Jahresinventuren berücksichtigt (Tabelle 2). Da jede Jahresinventur die Wälder der Schweiz repräsentiert, sind Vergleiche mit früheren Inventuren unverzerrt, statistisch jedoch mit grösserer Streuung behaftet.

Für die vorliegende Analyse wurden die Zählungen bzw. die Stammzahlen pro Hektar in den drei Grössenklassen G1 10–39 cm Höhe (Anwuchs), G2 40–129 cm Höhe (Aufwuchs) und G3 ≥130 cm Höhe mit BHD bis 11.9 cm (Dickung) berücksichtigt, wobei die verschiedenen Klassenunterteilungen (5 Klassen in LFI2, 4 Klassen in LFI4/5) harmonisiert wurden.

Die Jungwaldaufnahme erfolgte in Subplots, die 10 m zum Zentrum der LFI-Probeflächen verschoben liegen, und aus verschieden grossen konzentrischen Kreisen (Radien von 0.9 bis 4.0 m) bestehen, in denen die Gehölzarten (Jungwald: Bäume, Sträucher) in mehreren Grössenklassen gezählt werden. Im LFI2 dienten für G1 zwei Subplots (West und Ost) mit je r = 1.0 m (Fläche = 6.28 m2), für G2/G3 zwei Subplots mit je r = 2.12 m (Fläche = 28.24 m2). In LFI4 und LFI5 wurde die Grösse der Subplots (in der Regel West) verändert: für G1 neu r = 0.9 m (Fläche = 2.54 m2), für G2 r = 1.5 m (Fläche = 7.07 m2), für G3 r = 2.5 (Fläche = 19.64 m2) für Bäume ≥130 cm mit BHD bis 3.9 cm und r = 4 m (Fläche = 50.27 m2) für BHD von 4 bis 11.9 cm. In unserer Analyse beschränkten wir uns auf Baumarten. Berücksichtigt wurde sowohl die natürliche Verjüngung (84% für LFI2; je 90% für LFI4 und LFI5) als auch gemischte, gepflanzte und nicht kategorisierte Verjüngung (16% für LFI2; je 10% für LFI4 und LFI5).

Vergleichseinheiten

Das LFI gibt Auskunft über die Wälder der gesamten Schweiz sowie der biogeografischen Regionen Jura, Mittelland, Alpennordflanke, westliche bzw. östliche Zentralalpen und Alpensüdflanke (Brändli et al 2020). Wir präsentieren hier Verjüngungstrends sowohl für diese Regionen als auch für die verschiedenen Höhenstufen in den Zentralalpen (Abbildung 1) und ebenso für die zwei Waldstandorttypen Tannen-Fichtenwald und Fichtenwald (Scherrer et al 2023).

Signifikanzen von Trends

Die Stammzahlen pro Baumart und Grössenklasse sind als Stück pro Hektar angegeben. Da die Werte auf der Hochrechnung von Subplots verschiedener Grösse beruhen (Radien zwischen 0.9 und 4 m; Abbildung 2), variiert die Genauigkeit der Werte. Ein Stamm auf einem Subplot von 2.54 m2 (r = 0.9 m) ergibt als Stammzahl 3937 Stück/ha, und ein Stamm auf einem Subplot von 50.27 m2 (r = 4.0 m) eine solche von 199. Die Hochrechnungen der Stammzahlen reichen von 0 bis zu maximal über 1 Mio. Jungbäume pro Hektar. In einem Grossteil der Subplots stehen keine Jungbäume, wodurch Nuller-Werte entstehen (Tabelle 2). Dies führt zu einer stark schiefen Stichprobenverteilung. Der arithmetische Mittelwert wird dadurch unverhältnismässig stark von wenigen Subplots mit zahlreicher Verjüngung beeinflusst. Um eine robustere Schätzung der Unsicherheit des Mittelwerts zu erhalten, wurde der Standardfehler des Mittelwerts mittels Bootstrapping mit 1000 Wiederholungen berechnet. Bei diesem Verfahren werden die Stammzahlen der Subplots der betreffenden Stichprobe mit Zurücklegen zufällig gezogen und jeweils ein Mittelwert berechnet. Die Standardabweichung der 1000 resultierenden Mittelwerte dient als Schätzung des Standardfehlers. Da die Verteilung dieser Mittelwerte annähernd normal ist, erlaubt sie auch weiterführende Vergleiche. Zur Einschätzung signifikanter Unterschiede zwischen den Vergleichseinheiten wurden auf Basis der je 1000 Mittelwerte paarweise t-Tests durchgeführt. Diese Tests lieferten eine statistische Einordnung, ob sich Mittelwerte verschiedener Einheiten signifikant unterscheiden. Höhenstufen in biogeografischen Regionen mit weniger als 40 Probeflächen wurden für die Analyse und Darstellung nicht berücksichtigt, da die Prüfstatistik mit kleineren Stichproben keine belastbaren Aussagen zulässt.

Einflussfaktoren der Stammzahlen

Wichtige erklärende Faktoren für die Variabilität der Baumverjüngung sind Temperaturlimitierungen (Körner et al 2016) der Vegetationszeit und die Lichtverfügbarkeit (Bugmann 2001). Je länger die Vegetationszeit, desto mehr Baumarten können im Verlauf eines Jahres keimfähige Samen bilden. In den Hochlagen mit kurzer Vegetationszeit ist die Baumartenvielfalt daher geringer als in tieferen Lagen (vgl. Brändli 1996). Ob dieser Gradient auch für die Baumverjüngung zutrifft, wird mit der mittleren Jahrestemperatur (1981–2010; Külling et al 2024) am Ort der Aufnahmekreise geprüft.

Für eine nachhaltige Verjüngung ist Licht notwendig. Lichtungsschläge oder Waldöffnungen fördern daher die Verjüngung. Als naheliegendes Mass für die Dunkelheit des Bestands wurde die Basalfläche verwendet und diese mit der Verjüngungsdichte verglichen. Die Basalfläche ist die Summe der Stammquerschnittsflächen der im 5a-Kreis eingemessenen Bäume in 1.3 m Höhe (BHD-Messstelle; Düggelin et al 2020).

Resultate

In LFI2, LFI4 und LFI5 betrug der landesweite Anteil von Probeflächen mit Verjüngung zwischen 79 und 85% bzw. jener ohne Verjüngung («Nullerflächen») zwischen 15 und 21% (Tabelle 1, Abbildung 2). In den Laubwaldregionen Jura und Mittelland ist der Anteil der Nuller-Flächen mit 7–13% geringer, in den von Nadelholz dominierten Zentralalpen und auf der Alpensüdflanke, wo Laubwälder generell dichte Kronenschlüsse aufweisen, mit 19–36% deutlich grösser. Der Anteil der Nuller-Flächen hängt auch mit der Grösse der Subplots zusammen, die sich zwischen den LFI veränderte (Angabe in Abbildung 2 in Quadratmeter). Insbesondere die Anteile an Nuller-Flächen in den Grössenklassen 1 (10–39 cm) und 2 (40–129 cm) nahmen von LFI2 zu LFI4 und LFI5 deutlich zu, mit landesweiten Werten von 48 auf 61% (Tabelle 1) – ein Trend, der wohl vorwiegend auf die Reduktion der Grösse der Subplots zurückzuführen ist: Je kleiner die Subplotfläche, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, auf Verjüngung zu stossen.

Landesweit stiegen die mittleren Stammzahlen im Anwuchs (G1) nach 1995 signifikant von 11 500 Stück/ha (LFI2) auf 14 400 Stück/ha (LFI4) an und verringerten sich von den 2010er- zu den 2020er-Jahren ebenso deutlich auf 11 900 Stück/ha im LFI5 (Tabelle 2, Abbildung 3). Von LFI2 bis LFI4 wurde sowohl der Aufwuchs (von 2900 auf 3700 Stück/ha) als auch die Dickung (von 1600 auf 2000 Stück/ha) deutlich zahlreicher. Beide Grössenklassen hielten dieses Niveau im LFI5.

Die schweizweiten Trends leiten sich aus der grossen Zahl von Probeflächen im Jura, im Mittelland und auf der Alpennordflanke ab (ca. 4000 Probeflächen, also rund zwei Drittel aller LFI-Probeflächen; Tabelle 1). Im Jura und im Mittelland erreichen die Stammzahlen rund doppelt so hohe Werte wie im Landesmittel, auf der Alpennordflanke (Voralpen) liegen sie leicht unter dem Durchschnitt. Demgegenüber wuchsen in den Zentralalpen (Wallis für westliche und Graubünden für östliche Zentralalpen) und auf der Alpensüdflanke (Gondo, Tessin, Misox, Puschlav, Val Müstair) in allen Grössenklassen deutlich weniger Bäume als auf der Alpennordseite (Abbildung 3, Tabelle 2). In G3 (Dickung) verringerten sich die Stammzahlen in den westlichen Zentralalpen von LFI2 zu LFI4 deutlich und auf der Alpensüdflanke seit dem LFI2 kontinuierlich. Während auch für G2 (Aufwuchs) eine Tendenz zur Abnahme in den westlichen Zentralalpen und auf der Alpensüdflanke sichtbar ist, nehmen die Stammzahlen in G1 (Anwuchs) in diesen Gebieten zwischen LFI2 und LFI4 deutlich zu.

In der Zeitspanne von LFI2 zu LFI5 variierten die Stammzahlen der einzelnen Hauptbaumarten (Definition siehe Abbildung 3) beträchtlich (Abbildung 4, Tabelle 2). In G1 nahmen von LFI2 zu LFI4 die Buche, Eiche, Esche, Mehlbeere (Vogel- und Mehlbeeren), Fichte und Tanne deutlich zu (blaue Pfeile in Abbildung 4), dagegen die Kastanie deutlich ab (roter Pfeil in Abbildung 4). Bis LFI5 verringerten sich die Stammzahlen bei Buche und Esche stark, aber auch bei Arve, Fichte und Föhre deutlich. In G2 wurde die Buche von LFI2 zu LFI4 enorm zahlreicher, und von LFI2 zu LFI5 nahm die Tanne kontinuierlich zu. Die Esche verringerte ihre Stammzahl deutlich von LFI4 zu LFI5. In G3 (Dickung) stieg die mittlere Stammzahl der Buche von LFI2 zu LFI4 um mehr als das Doppelte. Dagegen nahmen im selben Zeitraum die Eiche, Kastanie, Fichte, Tanne und übrige Nadelbäume deutlich ab. Von LFI4 zu LFI5 erfuhr die Gemeine Esche eine starke Reduktion, aber auch die Lärche nahm deutlich ab.

Landesweit blieb der Anteil an Laubhölzern in G1 mit 87–90% und G2 mit 80–83% von LFI2 zu LFI5 recht konstant, stieg jedoch in G3 im selben Zeitraum von 66 auf 77% an (Tabelle 1). Diese Werte sind stark von den Verhältnissen auf der Alpennordseite (Jura, Mittelland, Alpennordflanke) geprägt, wo das vermehrte Aufwachsen von Laubbäumen in G3 (Anstiege von LFI2 zu LFI4 je um ≥10%) ins Gewicht fällt. Demgegenüber nehmen die Laubhölzer in den östlichen Zentralalpen erst von LFI4 zu LFI5 deutlich zu (je 28% in LFI2 und LFI4, dann 44% in LFI5), während sie in den westlichen Zentralalpen konstant bleiben (45, 44 und 45%) und auf der Alpensüdflanke gar stetig von 76% im LFI2 bis 67% im LFI5 abnehmen.

Die Situation der Baumverjüngung variiert also je nach biogeografischer Region und Höhenstufe stark. Als Beispiele hierfür sind die westlichen und östlichen Zentralalpen hervorgehoben (Abbildung 5). Generell verringern sich die Stammzahlen von den Tallagen bis zur subalpinen Zone, und infolge der kleineren Zahl von Subplots pro Vergleichseinheit (vgl. Tabelle 1) ergeben sich aus statistischer Sicht grössere Streuungen (grössere Fehlerbalken) und weniger deutliche Unterschiede zwischen den Inventuren.

In den westlichen Zentralalpen (Wallis) veränderten sich die Stammzahlen in der kollinen Höhenstufe während der Beobachtungsdauer nicht signifikant (G1–G3), obschon in G1 dichte Eschenverjüngung in 2 von 53 Aufnahmekreisen zu einem starken Anstieg des Mittelwerts aller Baumarten von LFI4 zu LFI5 führte. In der hochmontanen Höhenstufe verdoppelten sich die Stammzahlen in G1 von LFI2 zu LFI4. Im selben Zeitraum verringerten sich dagegen in G2 und G3 die Verjüngungsstammzahlen deutlich. In der subalpinen Höhenstufe reduzierte sich die Verjüngung in G2 von LFI2 zu LFI4 deutlich.

In den östlichen Zentralalpen (Graubünden) haben generell die Laubhölzer zwischen LFI2 und LFI5 an Terrain gewonnen, wenn auch auf recht tiefem Niveau. In der untermontanen Höhenstufe variierte die Gesamtverjüngung besonders in G2, wo die Buche von LFI2 zu LFI4 stark zulegte. Insgesamt resultierte aber keine signifikante Veränderung. Während in der obermontanen Höhenstufe in G3 ein deutlicher Rückgang der Stammzahlen von LFI4 zu LFI5 erfolgte und in der hochmontanen Höhenstufe eine deutliche Erhöhung der Stammzahlen in G1 von LFI2 zu LFI4 resultierte, blieb die Gesamtverjüngung in der subalpinen Höhenstufe von LFI2 zu LFI5 in allen Grössenklassen unverändert.

Bei beiden Standorttypen Tannen-Fichtenwald und Fichtenwald (ARGE Frehner et al 2020) machen die Gattungen Fichte und Mehlbeere (Vogel- und Mehlbeeren) rund 50% oder mehr der Stammzahlen aus (Tabelle 2, Abbildung 6). In den Tannen-Fichtenwäldern stiegen die Verjüngungsstammzahlen in G1 von LFI2 zu LFI5 von 2160 auf 4980 Stück/ha (Tabelle 2). Hier nahmen Ahorne, Mehlbeere (insbesondere Vogelbeere), Fichte und Tanne von LFI2 zu LFI4 jeweils deutlich zu. In G2 stiegen die Gesamtstammzahlen von 1290 auf 1870 Stück/ha auch deutlich, unter anderem infolge eines deutlichen Anstiegs der Ahorne. In G3 erhöhte sich die Stammzahl zwischen LFI2 und LFI4 von 980 auf 1130 Stück/ha. Von LFI4 zu LFI5 wurde die Mehlbeere (insb. Vogelbeere) deutlich zahlreicher, dagegen nahmen die Pionierhölzer im selben Zeitraum deutlich ab.

Ähnlich entwickelte sich die Verjüngung in den Fichtenwäldern, wo die Verjüngungsstammzahlen vom LFI2 zu LFI5 zunahmen. In G1 erhöhte sich die Stammzahl von LFI2 zu LFI4 von 1300 auf 2400 Stück/ha und weiter zu LFI5 auf 3940 Stück/ha. Insbesondere nahmen bis LFI4 die Laubbäume zu (Mehlbeere, insb. Vogelbeere), und von LFI4 zu LFI5 die Esche (Abbildung 6), Letztere wiederum als Folge von dichtem Aufkommen in wenigen Aufnahmekreisen (und damit nicht signifikant). Auch in G2 stiegen die Stammzahlen von LFI2 zu LFI5 (Tabelle 2), wobei die deutliche Zunahme von Mehlbeere von LFI2 zu LFI4 durch die Abnahme der Fichte kompensiert wurde. In G3 fanden zwischen LFI2 und LFI5 keine wesentlichen Veränderungen statt.

Einflussgrössen

Mit zunehmender mittlerer Jahrestemperatur nehmen die Verjüngungsstammzahlen G1–G3 bei Berücksichtigung aller Probeflächen des LFI4 deutlich zu, wobei die zahlreichere Verjüngung der Laubbaumarten die Trends unterhalb der subalpinen Zone (also bei Jahrestemperaturen über ca. 4 °C) bestimmt (Abbildung 7). In der subalpinen Zone sind die Nadelhölzer in G2 und G3 zahlreicher als Laubhölzer. Während die Nadelhölzer entlang des Temperaturgradienten in allen Grössenklassen beinahe gleich verteilt sind, erreichen die Stammzahlen der Laubhölzer in G1 und G2 bei 9–10 °C, also in den Tieflagen der Schweiz, ihre höchsten Werte. Bei noch wärmeren mittleren Jahrestemperaturen sinken die Stammzahlen rasch bei sehr grosser Streuung.

Recht unterschiedlich zeigt sich die Stammzahlverteilung entlang des Basalflächengradienten (Abbildung 7). Für G1 und G2 nehmen die Laubholzstammzahlen von geringen Werten (5000 Stück/ha bei G1, 3000 Stück/ha bei G2) bei kleinen Basalflächen bis zu höchsten Werten bei knapp 40 m2/ha zu (15 000 bzw. 3500 Stück/ha). Die Nadelhölzer sind auch entlang des Basalflächengradienten auf niedrigerem Niveau ziemlich gleichverteilt, auch in G3. Demgegenüber nehmen die Stammzahlen der Laubhölzer in G3 von höchsten Werten (2500 Stück/ha) bei kleinsten Basalflächen linear ab bis zu kleinsten Werten bei 80–100 m2/ha Basalflächen. Grundsätzlich gleichen sich die Zusammenhänge von LFI2 zu LFI5 bei beiden Faktoren, im Detail bestätigte sich aber auch hier der Trend der Zunahme von Laubholzstammzahlen bis in höchste Lagen zwischen LFI2 und LFI4/LFI5 (Resultate nicht dargestellt).

Diskussion

Anhand von LFI2, LFI4 und LFI5 wurden unterschiedliche Trends der Waldverjüngung von 1995 bis 2022 gefunden. Von LFI2 zu LFI4 nahmen die mittleren Stammzahlen in allen Grössenklassen landesweit um rund 25% zu. Von LFI4 zu LFI5 blieben die Stammzahlen in G2 und G3 unverändert, während bis LFI5 in G1 eine deutliche Abnahme (–17%) erfolgte. Der landesweite Anstieg von 1995 bis 2017 geht auf das Konto der Zunahme von Laubbäumen, insbesondere der Buche, was unter anderem durch eine störungsbedingte Walddynamik nach den Grossereignissen Lothar und Vivian zurückzuführen ist (Wohlgemuth et al 2017). Gleichzeitig belegen die Stammzahlen die starke Abnahme der Esche von LFI4 zu LFI5, deren Jung- und Altbäume durch die Eschentriebwelke dezimiert werden (Gross et al 2014, Rigling et al 2016).

Ein differenziertes Bild ergibt sich mit dem Fokus auf die biogeografischen Regionen und auf die Höhenstufen. Die Zentralalpen und die Alpensüdflanke weisen die kleinsten Stammzahlen aus. Verglichen mit jenen im Jura und im Mitteland machen sie etwa einen Viertel aus. Entlang des Temperaturgradienten nehmen die Stammzahlen der Laubbäume deutlich zu, mit höchsten Werten in den warmen Tieflagen. Demgegenüber sind die Stammzahlen der Nadelbäume entlang dieses Gradienten in G1 und G2 grob gleich verteilt, und in G3 gerade umgekehrt verteilt: Höchste Stammzahlen sind bei tiefen Mitteltemperaturen, also in höchsten Waldlagen zu finden. Die Stammzahlen für Laubbäume nehmen in G3 mit zunehmender Basalfläche linear ab. Entlang dieses Vorratsgradienten sind die Stammzahlen der Nadelbäume wiederum gleich verteilt. Wie die Betrachtung der Tannen-Fichtenwälder und der Fichtenwälder zeigt, ist der Anteil der Laubbäume an den Stammzahlen von LFI2 zu LFI5 angestiegen. Im Folgenden werden für die wichtigsten Resultate Erklärungen gegeben.

Biogeografische Regionen als grobe Richtschnur

Die Stammzahlen für die gesamte Schweiz und für die sechs biogeografischen Regionen (BAFU 2022) sind durch die Eigenheiten in diesen Regionen wie Topografie, klimatische Verhältnisse, Waldfläche und Waldzusammensetzung geprägt. So leiten sich die landesweiten Bandbreiten (Mittelwerte und Streuung) für die Grössenklassen G1 bis G3 von den Verjüngungsverhältnissen nördlich der Zentralalpen ab, wo zwei Drittel der Schweizer Wälder stehen und entsprechend zwei Drittel der Probeflächen platziert sind. Die Alpennordflanke, das Mittelland und der Jura sind durch einen hohen Anteil von Laub- und Mischwäldern geprägt, in denen die Verjüngungsstammzahlen von Laubhölzern dominiert sind. Die resultierenden hohen Stammzahlen überprägen die wesentlich kleineren Stammzahlen in den Zentralalpen und der Alpensüdflanke, die im Anwuchs (G1) und Aufwuchs (G2) nur etwa einen Drittel des Schweizer Mittelwerts ausmachen und in der Dickung (G3) etwa der Hälfte des Mittelwerts entsprechen. Grosse Verjüngungsstammzahlen hängen direkt mit dem grossen Anteil von Laubhölzern zusammen, die einerseits als bestandbildende Arten der Tieflagen mit hoher Schattentoleranz und bei längerer Vegetationszeit und zahlreicheren Mastjahren in tieferen Lagen zu grösseren Verjüngungsraten führen. Andererseits tragen Laubholzpioniere, deren Samen mit Wind oder mit Vögeln über weite Distanzen in Waldöffnungen gelangen, zur Waldbesiedlung bei (Kramer et al 2014, Nussbaumer & Wohlgemuth 2016).

In den trockenen und nadelholzreichen Zentralalpen herrscht vielerorts ein starker Wildeinfluss, der dem Aufwuchs der Verjüngung entgegenwirkt (Kupferschmid & Frei 2025). Es resultieren niedrige Werte für die Dickungsklasse, insbesondere in höheren Lagen. Dieser Zustand hat sich über die drei LFI kaum verändert.

Störungen und Klimawandel

Von LFI2 zu LFI4 nehmen die Stammzahlen im Anwuchs und Aufwuchs deutlich zu (Abbildung 3), was insbesondere mit der starken Zunahme von Laubhölzern zusammenhängt (Abbildung 4). Die Zunahme korreliert mit den steigenden mittleren Temperaturen im Rahmen des Klimawandels, womit das Höherwandern von vielen Arten erklärt wird (z.B. Vitasse et al 2021). Ebenfalls naheliegend kommen als Grund für diesen Anstieg zunehmende Zwangsnutzungen infrage, insbesondere im Rahmen der grössten Winterstürme Vivian mit Schäden entlang der Alpennordflanke und in den Zentralalpen sowie Lothar mit grossen Schäden im Mittelland und auf der Alpennordflanke (Wohlgemuth et al 2008). Das Ausmass dieser Sturmschäden im Wald und den anschliessenden, mehrjährigen Borkenkäferkalamitäten ist im Vergleich zu früheren Jahrzehnten um ein Mehrfaches grösser (Wohlgemuth et al 2023). Es korrespondiert mit der landesweit markanten Zunahme von Laubhölzern (Scherrer et al 2022).

Stammzahlen und mittlere Temperatur (Vegetationszeit)

Mit zunehmender Höhenlage bzw. mit abnehmender mittlerer Jahrestemperatur nimmt die Vegetationszeit und damit die Reproduktionsfähigkeit für mehrere Baumarten ab. Insgesamt reichen nur wenige Laubhölzer bis in die subalpine Zone, dagegen können die meisten Nadelhölzer von den tiefsten bis in die höchsten Lagen wachsen (Brändli 1996). Die Abnahme der Laubbaumarten mit abnehmender Jahrestemperatur korrespondiert sowohl mit den harscheren Bedingungen in höheren Lagen (Frost, konkurrierende Hochstauden, Schneedruck) als auch mit der Abnahme der Verjüngungsstammzahlen gegen die Waldgrenze (Abbildung 7). In der subalpinen Höhenstufe sind dagegen die Stammzahlen der Nadelhölzer in G3 auch absolut am grössten. Gegen die Waldgrenze wächst die Verjüngung nur sehr langsam, weshalb die Bäume lange in derselben Grössenklasse verbleiben (Ryter 2014). Der Laubholzanteil ist zwar gering, wie Abbildung 4 für die Fichtenwälder zeigt, doch in der Tendenz von LFI2 zu LFI5 ansteigend.

Verjüngung in dichten und offenen Wäldern

In welchem Masse eine Baumart schattentolerant ist, bestimmt ihre Eigenschaft während der Verjüngungsphase. Im Vergleich der Schattentoleranz von 806 verholzten Pflanzenarten der temperaten nördlichen Hemisphäre (Niinemets & Valladares 2006; 1 = keine Schattentoleranz; 5 = maximale Schattentoleranz) erreichen von den häufigsten Baumarten in der Schweiz Tanne, Buche, Fichte, Spitz- und Bergahorn höchste Werte (3.7–4.6), Feldahorn, Kastanie, Mehlbeere (Vogelbeeren, Mehlbeeren), Arve, Eiche und Esche mittlere Werte (2.65–3.2) und die Pionierbaumarten Aspe, Weide, Birke, Föhre und Lärche tiefste Werte (1.45–2.25). Die Verjüngungsmuster in den G1 und G2 entsprechen entlang des Gradienten von kleiner zu grosser Basalfläche (≈ Vorrat; Abbildung 7) vor allem der Präsenz der schattentoleranten Laubhölzer. Höchste Verjüngungsstammzahlen liegen bei ca. 40 m2/ha. Dagegen sind die mittleren Stammzahlen in G3 am grössten bei kleinster Basalfläche und sinken bis zu einer Basalfläche von etwas mehr als 80 m2/ha auf den Nullwert. Ein zahlreiches Aufwachsen der Verjüngung ist hier deutlich an genügend Licht gebunden (Kramer et al 2014, Scherrer et al 2021, Gauye et al 2023) – eine Binsenwahrheit, die sich auch im Begriff der Vorverjüngung spiegelt. Insbesondere in Fichten und Fichten-Tannenwäldern in den Alpen erweist sich die Anwesenheit von Verjüngungspflanzen vor einer Waldöffnung durch Holzschlag oder Störung als zentraler Erfolgsfaktor (Kalt et al 2021).

Veränderung der Baumartenanteile

Gemäss verschiedenen Modellierungen, welche die zukünftigen Eignungsgebiete für einzelne Baumarten geografisch darstellen (z.B. ForteFuture auf nccs.admin.ch, Buras & Menzel 2019), stehen allen Baumarten in Europa aufgrund der Klimaveränderung grosse Arealveränderungen bevor. So soll sich das Eignungsgebiet für Eichen innerhalb eines Jahrzehnts bis 2035 auf Kosten jenes der Buchen mehr als verdoppeln. Bereits sind grosse Veränderungen am Laufen, so in den tieferen Lagen von Zentraleuropa, wo Buchen vertrocknen und Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer fallen (z.B. Schuldt et al 2020). Analog häufen sich ähnliche Beobachtungen in tiefgelegenen Wäldern der Schweiz (Rigling et al 2013, Frei et al 2022). Während sich die Eignungsgebiete unbestritten infolge von saisonaler Trockenheit und Temperaturveränderung rasant ändern, stellt sich gleichwohl die Frage, ob sich die Baumarten zu den künftig geeigneten Orten hin ausbreiten können. Hinweise aus der Analyse der LFI-Verjüngungsdaten der letzten 27 Jahre lassen einen langsamen Prozess erahnen. Im landesweiten Mittel hat sich die Stammzahl der Gattung Eiche von LFI2 zu LFI4 in G1 rund verdoppelt (Abbildung 4), insbesondere auch in den westlichen Zentralalpen (Abbildung 5). Hier hat insbesondere die Flaumeiche in der kollinen Stufe auf Kosten der Föhre (Waldföhre) an Terrain gewonnen. Die Waldföhre hat in G3 sukzessive bis LFI5 abgenommen, dagegen variieren die Stammzahlen in G1 und G2 sowohl für Flaumeiche als auch für Waldföhre. Landesweit ist in G2 und G3 kein Vormarsch der Eiche feststellbar. Zahlreicher ist dagegen die Buche geworden. Sie dürfte von den oben erwähnten Extremereignissen und Zwangsnutzungen profitiert haben und vermutlich auch von ihrer Förderung im Rahmen der Waldpolitik. Die fortschreitende Eschentriebwelke (Rigling et al 2016) machte sich zwischen LFI4 und LFI5 in der Verjüngung aller Grössenklassen mit einem zum Teil sehr deutlichen Rückgang bemerkbar.

Laubhölzer, allen voran die Buche, sind in der Verjüngung generell auf dem Vormarsch, weil sie in den Lücken, die durch Extremereignisse, Störungen und Waldmanagement entstehen, infolge des starken Lichtdurchlasses rasch aufwachsen können (Nikolova et al 2019, Scherrer et al 2022). Im Fall der Buche kontrastiert die Zunahme des Jungwalds mit den zum Teil in wenigen Jahrzehnten stark veränderten Eignungsgebieten. So verschiebt sich ihre klimatische Eignung infolge des Klimawandels vom Mittelland weg hin in höhere Lagen, wo heute noch Nadelwälder dominieren (Gessler et al 2024). Unter Berücksichtigung von Bodenfaktoren fallen die vorhergesagten Verschiebungen der Eignungsgebiete vielerorts weniger stark ins Gewicht (vgl. Tree App, tree-app.ch).

Nadelhölzer ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets der höheren Lagen sind wiederholt Opfer von Störungen geworden (Scherrer et al 2022). Einer natürlichen Verjüngung steht ihr langsames Jugendwachstum im Weg – Laubbäume wachsen den Nadelhölzern davon (Moser et al 2021), und Konkurrenzvegetation unterdrückt ihren Anwuchs. Eine Vorwaldentwicklungsphase durch Laub- und Pionierbaumarten scheint aber besonders in höheren Lagen in Gang zu sein. Bei mehreren Baumarten ist landesweit jedoch keine deutliche Veränderung sichtbar.

Schlussfolgerungen

Fazit

Die klimatischen Veränderungen und die Extremereignisse, denen die Holzressourcen im Schweizer Wald während der letzten Dekaden unterworfen waren (Thürig et al 2025), beeinflussen auch die Verjüngung der Baumarten. In der Häufung von Waldöffnungen durch Störungen und Extremereignisse liegt nicht nur die Chance der Verjüngung, sondern auch die Chance der Etablierung neuer und der Anpassung vorhandener Baumarten an wärmere Wuchsbedingungen und vorübergehender Trockenheit. Ob die sich verjüngende Buche mit den künftigen Witterungsbedingungen zurechtkommt, ist fraglich. Und dass Eichen ihre Zukunftsstandorte rechtzeitig erreichen, muss ebenfalls bezweifelt werden. Insgesamt geben die Verjüngungszahlen des LFI repräsentative Hinweise in Form von Mittelwerten und Streuungen, die als Bandbreiten der Verjüngungsdynamik der letzten 25 Jahre aufgefasst werden können. In ihrer umfassenden Übersicht sind diese Daten einzigartig.

Schlussfolgerungen für die Praxis

In den laubholzreichen Regionen Jura und Mittelland sind die Verjüngungsstammzahlen doppelt bis dreimal so hoch wie in den Wäldern der Alpennordflanke. Demgegenüber bewegen sich die Stammzahlen in den Zentralalpen mit höchstem Nadelholzanteil und der Alpensüdflanke mit dichten Kronenschlüssen auf deutlich tieferem Niveau. Zu den Gewinnern der Baumarten während der letzten 20 Jahre zählen die Laubbäume, allen voran die Buche. Auf der Verliererseite steht die Esche mit starkem Rückgang in den letzten 10 Jahren. Die Eiche dehnt ihr Areal durch natürliche Verjüngung bisher nicht aus.

Um einen massgeblichen Anteil zukunftsfähiger Laubbaumarten und die Entwicklung zukünftiger Mischwälder in höheren Lagen zu ermöglichen, ist auf vielen Flächen mehr Licht und letztlich auch mehr Wärme nötig.

Eingereicht: 16. September 2025, akzeptiert (mit Review): 16. Dezember 2025

Dank

Die Studie ist Teil des Projekts «Benchmarks», das von der Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz (WHFF-CH) finanziert worden ist. Zusätzliche finanzielle Unterstützung stammt von den Kantonen Bern, Graubünden, Luzern, Neuenburg, Solothurn, St. Gallen, Uri, Waadt, Wallis und Zürich. Monika Frehner und Sandro Krättli haben das Manuskript wohlwollend begutachtet.

Literatur

  • ARGE FREHNER M, DIONEA SA, IWA WALD UND LANDSCHAFT AG (2020)

    NaiS-LFI: Zuordnung der LFI-Stichprobenpunkte zu Waldgesellschaften. 68 S.

  • BAFU (2022)

    Die biogeografischen Regionen der Schweiz. 1. aktualisierte Auflage 2022. Erstausgabe 2001. Umwelt-Wissen 2214: 1–28. Bern: Bundesamt für Umwelt

  • BRäNDLI U-B (1996)

    Die häufigsten Waldbäume der Schweiz. Ergebebnisse aus dem Landesforstinventar 1983–85: Verbreitung, Standort und Häufigkeit von 30 Baumarten. Ber. Eidg. Forsch.anst. Wald Schnee Landsch 342: 1–278.

  • BRäNDLI U-B, ABEGG M, ALLGAIER LEUCH B (2020)

    Schweizerisches Landesforstinventar. Ergebnisse der vierten Erhebung 2009–2017. Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Bern: Bundesamt für Umwelt BAFU. 341 S.

  • BRANG P, DUC P (2002)

    Zu wenig Verjüngung im Schweizer Gebirgs-Fichtenwald: Nachweis mit einem neuen Modellansatz. Schweiz Z Forstwes 153: 219–227. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2002.0219

  • BURAS A, MENZEL A (2019)

    Projecting tree species composition changes of European forests for 2061–2090 under RCP 4.5 and RCP 8.5 scenarios. Front Plant Sci 9: 1986. doi:https://doi.org/10.3389/fpls.2018.01986

  • DüGGELIN C, ABEGG M, BISCHOF S, BRäNDLI U-B, CIOLDI F et al (2020)

    Schweizerisches Landesforstinventar: Anleitung für die Feldaufnahmen der fünften Erhebung 2018–2026. WSL Ber 90: 1–288.

  • FREI ER, GOSSNER MM, VITASSE Y, QUELOZ V, DUBACH V et al (2022)

    Drought legacy effects and first signs of recovery in European beech after the severe 2018 drought. Plant Biol. 24: 1132–1145.doi:https://doi.org/10.1111/plb.13467

  • GAUYE C, MOSER B, RIGLING A, WOHLGEMUTH T (2023)

    L’importance de l’exposition sur le reboisement suite à deux incendies de forêt en Valais. Schweiz Z Forstwes 174: 238–242. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2023.0238

  • GESSLER A, WILHELM M, BRUN P, ZIMMERMANN N, RIGLING A (2024)

    Zurück in die Zukunft – Ein neuer Blick auf die Perspektiven für die Buche nach 20 Jahren Forschung und weiter fortschreitendem Klimawandel. AFZ-DerWald 193: 206–224.

  • GROSS A, HOLDENRIEDER O, PAUTASSO M, QUELOZ V, SIEBER TN (2014)

    Hymenoscyphus pseudoalbidus, the causal agent of European ash dieback. Mol Plant Path 15: 5–21. doi:https://doi.org/10.1111/mpp.12073

  • KALT T, NIKOLOVA PS, GINZLER C, BEBI P, EDELKRAUT K et al (2021)

    Kurzes Zeitfenster für die Fichtennaturverjüngung in Gebirgsnadelwäldern. Schweiz Z Forstwes 172: 156–165. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2021.0156

  • KöRNER C, BASLER D, HOCH G, KOLLAS C, LENZ A et al (2016)

    Where, why and how? Explaining the low-temperature range limits of temperate tree species. J Ecol 104: 1076-1088. doi:https://doi.org/10.1111/1365-2745.12574

  • KRAMER K, BRANG P, BACHOFEN H, BUGMANN H, WOHLGEMUTH T (2014)

    Site factors are more important than salvage logging for tree regeneration after wind disturbance in Central European forests. For Ecol Manage 331: 116–128. doi:https://doi.org/10.1016/j.foreco.2014.08.002

  • KRäTTLI S, BUGMANN H, CONEDERA M, GNNTER C, KUPFERSCHMID AD et al (2025)

    Wildeinfluss auf Waldverjüngung nimmt in der Schweiz weiter zu. Schweiz Z Forstwes 176: 132–135. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2025.0132

  • KüLLING N, ADDE A, FOPP F, SCHWEIGER AK, BROENNIMANN O et al (2024)

    SWECO25: a cross-thematic raster database for ecological research in Switzerland. Scientific Data 11: 21. doi:https://doi.org/10.1038/s41597-023-02899-1

  • KUPFERSCHMID AD, FREI ER (2025)

    Einfluss des Verbisses auf die Baumverjüngung in der Schweiz: Überblick basierend auf kantonalen Daten. Schweiz Z Forstwes 176: 146–157. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2025.0146

  • MOSER B, ABEGG M, KUPFERSCHMID AD, NIKOLOVA P, SCHERRER D et al (2025)

    Verjüngung. In: Strauss A, Fischer C (editors) Waldbericht 2025. Entwicklung, Zustand und Nutzung des Schweizer Waldes. Bern: Bundesamt für Umwelt. Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft WSL. pp. 78–79.

  • MOSER B, FREI A, BACHOFEN C, WASEM U, WOHLGEMUTH T (2021)

    Welche Sämlinge wachsen am schnellsten? Die Douglasie im Wettstreit mit mitteleuropäischen Baumarten. Schweiz Z Forstwes 172: 106–117.doi: https://doi.org/10.3188/szf.2021.0106

  • NIKOLOVA PS, ROHNER B, ZELL J, BRANG P (2019)

    Tree species dynamics in Swiss forests as affected by site, stand and management: A retrospective analysis. For Ecol Manage 448: 278–293. doi:https://doi.org/10.1016/j.foreco.2019.06.012

  • NUSSBAUMER C, WOHLGEMUTH T (2016)

    Verbiss bremst junge Flaumeichen. Wald und Holz 1/16: 31–33.

  • RIGLING A, BIGLER C, EILMANN B, FELDMEYER-CHRISTE E, GIMMI U et al (2013)

    Driving factors of a vegetation shift from Scots pine to pubescent oak in dry Alpine forests. Glob Change Biol 19: 229–240. doi:https://doi.org/10.1111/gcb.12038

  • RIGLING D, HILFIKER S, SCHöBEL C, MEIER F, ENGESSER R et al (2016)

    Das Eschentriebsterben. Biologie, Krankheitssymptome und Handlungsempfehlungen. Merkbl Prax 57: 1–8.

  • SCHERRER D, BALTENSWEILER A, BüRGI M, FISCHER C, STADELMANN G et al (2023)

    Low naturalness of Swiss broadleaf forests increases their susceptibility to disturbances. For Ecol Manage 532: 120827. doi:https://doi.org/10.1016/j.foreco.2023.120827

  • SCHULDT B, BURAS A, AREND M, VITASSE Y, BEIERKUHNLEIN C et al (2020)

    A first assessment of the impact of the extreme 2018 summer drought on Central European forests. Basic Appl Ecol 45: 1–18. doi:https://doi.org/10.1016/j.baae.2020.04.003

  • THüRIG E, PORTIER J, ALLGAIER LEUCH B, CIOLDI F, HEROLD A et al (2025)

    Die Schweizer Holzressourcen im Wandel: Trends aus 40 Jahren LFI. Schweiz Z Forstwes 176 (5): 244–253. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2025.0244

  • VITASSE Y, URSENBACHER S, KLEIN G, BOHNENSTENGEL T, CHITTARO Y et al (2021)

    Phenological and elevational shifts of plants, animals and fungi under climate change in the European Alps. Biol Rev 96: 1816–1835. doi:https://doi.org/10.1111/brv.12727

  • WOHLGEMUTH T, CONEDERA M, KUPFERSCHMID AD, MOSER B, USBECK T et al (2008)

    Effekte des Klimawandels auf Windwurf, Waldbrand und Walddynamik im Schweizer Wald. Schweiz Z Forstwes 159: 336–343. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2008.0336

  • WOHLGEMUTH T, QUELOZ V, MOSER B, PEZZATTI GB, SCHERRER D et al (2023)

    Dynamik von Störungen in Wäldern auf der Alpennordseite von 1900 bis 2022. Forum Wissen, WSL-Ber 144: 17–24. doi:https://doi.org/10.55419/wsl:35224

Anzeige