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Resilienz in der Wertschöpfungskette Wald-Holz: Wechselwirkungen und Abwägungen von Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel

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Annechien Brudermann1,*, Raphael Asada1, Theresa Boiger1, Marcus Lindner2, Tobias Stern1

1 Universität Graz, Institut für Umweltsystemwissenschaften, Graz (AT)
2 European Forest Institute EFI, Bonn (DE)

Abstract

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat Europa eine Zunahme von Störereignissen erlebt, die die Wälder beeinträchtigt haben. Infolgedessen wird es in der Zukunft aller Voraussicht nach zu erheblichen Veränderungen in der Wertschöpfungskette von Holz kommen, wobei ein Kipppunkt hin zu einem neuen System immer wahrscheinlicher wird. Dessen konkrete Ausgestaltung ist jedoch bislang unbekannt. Dieser Wandel könnte durch zunehmende Störungen im System Wald, Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel oder vermehrte Aufgaben der Waldbewirtschaftung bestimmt werden. In dieser Arbeit werden zwei Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel vorgestellt: systemstabilisierende Anpassung, die darauf abzielt, möglichst im bisherigen System zu bleiben, und systemtransformierende Anpassung, die eine aktive Anpassung an die veränderte Struktur der Wertschöpfungskette verfolgt. Stabilisierende Massnahmen sind zwar für die bestehende holzverarbeitende Industrie geeignet, könnten aber mit zunehmenden Störungen an ihre Grenzen stossen. Transformierende Anpassung wäre ein Risiko für Waldbesitzerinnen, die zukünftige Störereignisse und Marktbedingungen präzise einschätzen und die richtigen Baumarten bzw. Holzarten auswählen müssen. Die verzögerte Marktwirksamkeit von veränderten Bedingungen des Waldwachstums und des Baumartenwechsels erlaubt es der Industrie, Anpassungsmassnahmen hinauszuzögern und langsamer zu reagieren, wodurch eine ungleichmässige Risikoverteilung zwischen Waldbesitzern und der holzverarbeitenden Industrie entsteht. Die mit der Anpassung verbundenen Risiken, Kosten und Managementanstrengungen können dazu führen, dass die Waldbewirtschaftung aufgegeben wird, wodurch sich das Rundholzangebot für die verarbeitende Industrie verringert. So könnte die Industrie früher mit den Auswirkungen konfrontiert werden. Zudem könnten durch Störungen verursachte Holzengpässe sowie Überangebote, die die Verarbeitungskapazität teilweise übersteigen, zu einem zunehmenden Problem werden.

Keywords: forest resilience and value chain, climate change adaptation, wood value chain

Schweiz Z Forstwes 177 (1): 8–15. doi:https://doi.org/10.3188/szf.2026.0008

* Merangasse 18/I, AT-8010 Graz, E-Mail annechien.hoeben@uni-graz.at

In den letzten 50 Jahren hat Europa eine Zunahme von Störereignissen erlebt (Senf & Seidl 2020). Extreme Wetterereignisse, darunter Stürme, Hitzewellen und lang anhaltende Dürreperioden, haben zu einem weitverbreiteten Borkenkäferbefall, Baumsterben und Waldflächenverlust geführt. Die Störungen wurden zumindest teilweise durch die Bewirtschaftung gleichaltriger, homogener Wälder verstärkt, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts bevorzugt angelegt wurden (Suvanto et al 2025).

Kurzfristig kann es für Waldbesitzerinnen schwierig und teuer werden, Bäume nach klimawandelbedingten Störungen zu ernten und Wälder wieder aufzuforsten. Ausserdem sind mehrere kommerziell wichtige Baumarten weniger rentabel, wenn sie beschädigt sind oder vorzeitig gefällt werden. Darüber hinaus führen Störungen zu einem plötzlichen Anstieg des Holzangebots aufgrund von Kalamitätshieben, wodurch die Rundholzpreise sinken (Fuchs et al 2022).

Langfristig stehen Waldbesitzer angesichts des Klimawandels vor der Herausforderung, wenig stabile Reinbestände in resiliente Mischwälder umzubauen. Sie müssen die richtigen Baumarten auswählen, ohne zu wissen, welche Arten die holzverarbeitende Industrie zukünftig nutzen wird (Hoeben et al 2025). Laubhölzer in der stofflichen Anwendung werden insbesondere im Baubereich noch wenig nachgefragt und sind mengenmässig auf die energetische Verwertung ausgerichtet (Bozzolan et al 2024a).

Solange regionale Holzressourcen im Wald für den Markt ausreichend zugänglich sind, kann die holzverarbeitende Industrie von den kalamitätsbedingt niedrigeren Rundholzpreisen profitieren (Asada et al 2023). Die zunehmende Häufigkeit von Waldstörungen ist jedoch bereits ein zentraler Treiber für Angebotsschwankungen durch Überangebot und darauf folgend regionale Engpässe mit entsprechenden Auswirkungen auf Importe und Exporte (Bozzolan et al 2024b).

In diesem Artikel werfen wir einen konzeptionellen Blick auf spezifische Anpassungsmassnahmen für klimawandelbedingte Veränderungen, die in der Waldbewirtschaftung und in der holzverarbeitenden Industrie ergriffen werden können, und analysieren die damit verbundenen Wechselwirkungen. Wir unterscheiden dabei zwei Strategien: systemstabilisierende Anpassung und systemtransformierende Anpassung. Darüber hinaus untersuchten wir ein drittes (ungewolltes) Phänomen, nämlich den Verzicht auf Waldbewirtschaftung, zu dem es infolge gestiegener Kosten nach Störungen sowie des damit verbundenen Aufwands für Anpassungsmassnahmen kommen kann.

Konzeptualisierung der Resilienz in der Holzwertschöpfungskette

In den letzten Jahren wurden unterschiedliche Ansätze zur Steuerung von Massnahmen zur Stärkung der Resilienz der Holzwertschöpfungskette ermittelt. Die von Walker (2004) formulierte Theorie der Anziehungsbecken bildet die Grundlage für die Konzeptualisierung der Resilienz. Sie verdeutlicht, wie komplexe Systeme und in unserem Fall die Holzwertschöpfungskette mehrere stabile Zustände mit unterschiedlichen Dynamiken aufweisen können (Abbildung 1). Diese stabilen Zustände lassen sich mit Becken vergleichen, in denen sich das System einpendelt. Übergänge zwischen diesen Zuständen können aufgrund verschiedener Faktoren eintreten. Dazu gehören Waldstörungen, forstliche Eingriffe oder Rückkopplungsmechanismen zwischen diesen.

Im Einklang mit der Theorie der Anziehungsbecken beschreiben Larsen et al (2022) und Nikinmaa et al (2020) einen hierarchischen Rahmen, der vier miteinander verbundene Konzepte der Waldresilienz sowie analoge Systemgrenzen umfasst:

  • Widerstandsfähigkeit: ein System, das gegen Veränderungen resistent ist. Widerstandsfähigkeit bezieht sich hier auf die Fähigkeit eines Systems, externen Belastungen standzuhalten (Larsen et al 2022).
  • Technische Resilienz: ein System mit variablen Umweltbedingungen, die im historischen Rahmen verbleiben (z.B. jahreszeitliche Wetterveränderungen). Dieses System besitzt die Fähigkeit, sich nach einer Störung wieder zu erholen (Holling 1996, Pimm 1984), wobei das Vorhandensein eines einzigen Gleichgewichtszustands vorausgesetzt wird.
  • Ökologische Resilienz: ein System mit sich verändernden Umweltbedingungen, die über die historische Variabilität hinausgehen (z.B. Änderungen im Klima). Das System ist fähig, Änderungen und Störungen ohne Funktionsverlust zu absorbieren, gegebenenfalls aber verbunden mit ökologischer Anpassung in einen alternativen Zustand (Holling 1996);
  • Sozial-ökologische Resilienz: ein System mit veränderten Umweltbedingungen mit dynamischen Bewirtschaftungsansätzen. Sozial-ökologische Resilienz umfasst die Fähigkeit von verbundenen natürlichen und gesellschaftlichen Systemen, sich an unvorhergesehene Schocks (z.B. Waldstörungen und Kahlschlag) oder allmähliche Veränderungen (z.B. Klimawandel und schrittweise Holzentnahme) anzupassen (Nikinmaa et al 2020).

Konzeptualisierung der Anpassungsfähigkeit

Die Anpassungsfähigkeit der Holzwertschöpfungskette kann durch unterschiedliche Steuerung von Massnahmen gestärkt werden.

Schuurman et al (2022) postulieren im Rahmenmodell «widerstehen, akzeptieren, lenken», dass Strategien zur Klimaanpassung im Wesentlichen drei Pfaden folgen: dem Klimawandel unter Beibehaltung bestehender Strukturen zu widerstehen, unvermeidliche Veränderungen zu akzeptieren und eine eigenständige Weiterentwicklung des Ökosystems zu erlauben oder die Veränderungen gezielt zu steuern, um wünschenswertere Ergebnisse zu erzielen. Konkret identifizierten Rissman et al (2018) drei Strategien für das Management von Wäldern:

  • Beständigkeit zur Erhaltung des aktuellen Zustands des Waldes
  • Wiederherstellung zur Stabilisierung oder Rückführung in einen früheren Zustand
  • Umwandlung zur Überführung in einen neuen Zustand, der besser an extreme Umweltbelastungen angepasst ist

Ähnlich beschreiben D’Amato et al (2023) drei Ansätze: einen passiven Ansatz, um sich dem Klimawandel zu widersetzen, einen proaktiven Ansatz zur Steigerung der Resilienz des Waldökosystems sowie einen Ansatz, der den Übergang zu neuen Gleichgewichtszuständen im Ökosystem des Waldes fördert.

Erkenntnisse

Ansätze für die Resilienz der Wertschöpfungskette und Kipppunkte

Wir sehen die Holzwertschöpfungskette als ein integriertes System, das sich aus vier aufeinanderfolgenden Komponenten zusammensetzt: Waldbewirtschaftung, holzverarbeitende Industrie, Nachfrage nach Holzprodukten und End-of-Life (Abbildung 1). In diesem Beitrag betrachten wir nicht die Vielzahl wichtiger Produkte und Dienstleistungen aus dem Wald, sondern fokussieren uns ausschliesslich auf Holz.

In Anlehnung an Nikinmaa et al (2020) lässt sich das Wertschöpfungskettensystem vor und nach einem Kipppunkt der Wald-, Industrie- oder Marktstruktur kategorisieren (Abbildung 2). Dieser kann als abrupter, potenziell irreversibler Wechsel zwischen Systemzuständen beschrieben werden (Lenton 2013). Systemstabilisierende Anpassungen, die im Zustand 1 vorgenommen werden, beziehen sich auf die Fähigkeit eines Systems, Veränderungen und Störungen zu widerstehen, ohne in alternative Systemzustände überzugehen – und somit das Überschreiten eines Kipppunktes zu vermeiden. Dadurch wird die technische Resilienz gestärkt. Systemtransformierende Anpassungen, die im Zustand 2 vorgenommen werden, führen hingegen zur Überschreitung eines Kipppunktes – etwa infolge veränderter Waldbewirtschaftungspraktiken. Beispiele hierfür sind die Wiederbewaldung nach Kalamitäten (z.B. mit neuen oder gemischten Baumarten), eine stärkere Ausrichtung auf die Anpassung an den Klimawandel oder sogar die vollständige Aufgabe der Waldbewirtschaftung. Ein solcher Kipppunkt ist daher eher als sozialer Kipppunkt zu verstehen, der durch zunehmende Störungsereignisse verstärkt werden kann.

Zustand 1: systemstabilisierende Anpassung

Systemstabilisierende Anpassungsmassnahmen haben zum Ziel, die technische Resilienz innerhalb der Wertschöpfungskette zu erhöhen (Zustand 1 in Abbildung 2, Abbildung 3). Diese Massnahmen zielen darauf ab, die Fähigkeit des Systems zu stärken, Störungen zu absorbieren und seine Funktionalität im Zeitverlauf aufrechtzuerhalten. Sie allein verhindern jedoch nicht, dass das System im Falle erhöhter Störungen kritische Kipppunkte erreicht.

In begrenztem Ausmass haben Asada et al (2023) gezeigt, dass eine gezielte Steuerung der regulären Holznutzung sowie des Exportabsatzes von Rundholz zur Stabilisierung der Wertschöpfungskette beitragen kann. Dadurch werden störungsbedingte Markt- und Preisschwankungen abgefedert sowie das Angebot nachgefragter Holzqualitäten reguliert (Asada et al 2023).

In der Zukunft liegende Störungsverluste können ebenfalls durch eine verstärkte Aufarbeitung von Kalamitätsholz verringert werden, da das Entfernen krankheitsanfälliger Bäume Folgeschäden im Bestand reduziert. Um eine Übernutzung des Waldes zu vermeiden, wird in solchen Fällen die reguläre Holznutzung häufig reduziert (García-Jácome et al 2025). Beispielsweise kann der Verzicht auf Durchforstung in Kalamitätsjahren kurzfristig stabilisierend wirken, im längerfristigen Betrachtungszeitraum und bei häufigerem Auftreten von Störungen jedoch destabilisierende Effekte entfalten.

Zudem können Investitionen in die personelle und physische Infrastruktur das Entfernen von geschädigten Bäumen aus dem Wald erleichtern. Dazu gehören etwa der Erhalt eines funktionierenden Wegenetzes (für einen effizienten Holzabtransport aus betroffenen Gebieten) oder die Schulung und Ausrüstung von Forstpersonal (Kogler & Rauch 2023).

In der holzverarbeitenden Industrie kann analog zur Waldbewirtschaftung die Holzlagerkapazität erhöht werden. Wie bei der Waldbewirtschaftung ermöglicht dies einen gepufferten Fluss von Holz in den Markt für Holzprodukte, was Preisschwankungen verhindern kann (Kogler & Rauch 2023). Darüber hinaus sind Investitionen in personelle und technische Infrastruktur möglich, etwa durch die Flexibilisierung der Verarbeitungskapazitäten, um in Zeiten grosser Schadereignisse auch beschädigtes oder früh geerntetes Holz effizient verarbeiten zu können (Beiglböck et al 2024). Ausserdem kann die holzverarbeitende Industrie die Marktbedingungen bis zu einem gewissen Grad durch die Anpassung von Rundholzimportmengen beeinflussen (Asada et al 2023). Die Wirksamkeit von Anpassungsmassnahmen in der holzverarbeitenden Industrie wird von Expertinnen und Experten als mässig wirksam eingeschätzt (Hoeben et al 2025).

Zustand 2: systemtransformierende Anpassung

Systemtransformierende Anpassungsmassnahmen haben zum Ziel, die sozial-ökologische Resilienz der Holzwertschöpfungskette (Zustand 2 in Abbildung 2, Abbildung 4) zu erhöhen. Diese Massnahmen können die Struktur des Waldes verändern und dadurch die Holzwertschöpfungskette und das Überschreiten eines Kipppunktes beeinflussen. Sie werden (pro)aktiv ergriffen. Dabei ist zu beachten, dass in bereits naturnah bewirtschafteten Wäldern nicht jeder waldbauliche Eingriff systemtransformierend wirkt; hier können Massnahmen vor allem systemstabilisierend sein. Das gilt z.B. in Wäldern, die bereits naturnah oder angepasst sind.

Anpassungsmassnahmen im Bereich der Waldbewirtschaftung zu Beginn der Holzwertschöpfungskette können in zwei Ansätze unterteilt werden. Zum einen geht es dabei um einen Zustand mit naturnaher Waldbewirtschaftung, Einzelbaumnutzung und natürlicher Verjüngung (Zustand 2a in Abbildung 2, Kreis a in Abbildung 4) in Wäldern. Eine solche naturnahe Waldbewirtschaftungsstrategie, bei der die Bewirtschaftung weniger intensiv betrieben wird, wurde bereits als Anpassungsstrategie diskutiert (Jandl et al 2019). Zudem hängen die erzielten Effekte stark von der bisherigen Bewirtschaftungspraxis und der Waldstruktur ab (Kern et al 2021). In der Regel verbessert die naturnahe Waldbewirtschaftung die sozial-ökologische Resilienz des gesamten Waldes und verkürzt Erholungszeiten nach diversen Naturkatastrophen – das gilt insbesondere für die Umwandlung gleichaltriger Bestände in ungleichaltrige, strukturreiche Mischwälder. Mischwälder weisen häufig eine verbesserte Stabilität gegenüber Störungen wie Windwurf, Schädlingsbefall und Dürre auf, wobei diese Effekte stark von der jeweiligen Artenzusammensetzung abhängen (Pretzsch et al 2021).

Andererseits geht es um eine Anpassungsstrategie mit geringer Bestandsdichte, kürzeren Umtriebszeiten und Baumarten, die besser an den Klimawandel angepasst sind (Zustand 2b in Abbildung 2, Kreis b in Abbildung 4). Eine Verkürzung der Umtriebszeit, also der durchschnittlichen Zeitspanne von der Verjüngung eines Bestandes bis zur Endnutzung, kann das Risiko von Störungen verringern. Gardiner (2021) und Seidl et al (2017) zeigen, dass ein zunehmendes Risiko von Sturmschäden mit steigendem Bestandsalter und grösserer Baumhöhe korreliert. Allerdings werden die hydrologische Integrität, die Wasserqualität und die Fruchtbarkeit des Bodens durch kürzere Umtriebszeiten teilweise negativ beeinflusst (Roberge et al 2016). Zudem sind artspezifische Effekte auf die Resistenz gegenüber Schädlingen und Schadorganismen schwer vorhersehbar (Felton et al 2024). Jedoch kann die Reduzierung der Bestandsdichte und des Kronenschlussgrades die Lichtkonkurrenz mindern, die Wachstumsperiode verlängern, das Wachstum einzelner Bäume beschleunigen, Mischartenbedingungen fördern und die Störungsanfälligkeit senken. Allerdings variieren die Effekte je nach Waldtyp (Pretzsch 2019). Dabei ist zu beachten, dass eine zu starke Freistellung wiederum zu Trade-offs mit dem Gesamtbestandswachstum führen können. Zudem können Baumarten, die besser für zukünftige Bedingungen geeignet sind, mit selektiertem Saatgut gezielt gepflanzt werden (Pötzelsberger et al 2020).

In der holzverarbeitenden Industrie bleiben die Anpassungsmassnahmen gleich, unabhängig davon, ob Szenario 2a oder 2b verfolgt wird (Abbildung 4). Ein holzverarbeitendes Unternehmen kann in Effizienz investieren, um z.B. grosse Mengen von Schadholz zu verarbeiten. Gleichzeitig können Betriebe nicht ausschliesslich auf Effizienz und die Verarbeitung von Schadholz ausgerichtet sein, da die Versorgung durch einen (hoffentlich) unregelmässigen Anfall nicht gesichert ist. Obwohl bei hohem Schadholzaufkommen die meisten Produkte weiter mit Schadholz erzeugt werden könnten, nimmt mit zunehmendem Abstand zum Schadholzereignis die Qualität so stark ab, dass Laubholz (und später auch Nadelholz) nicht mehr effizient genutzt werden kann (Verkerk et al 2022). Darüber hinaus kann sich ein Unternehmen umstrukturieren und auf (innovative) Holzprodukte spezialisieren, etwa auf Brettsperrholz, Verwertung von Lignin oder auf Holz als Rohstoff für Textilfasern (Hurmekoski et al 2019). Es ist auch möglich, beide Ansätze zu kombinieren, indem mehrere Neben- und Beiprodukte erzeugt werden (Hoeben et al 2023).

Verzicht auf Waldbewirtschaftung

Was passiert, wenn Waldbesitzer weder systemstabilisierende noch systemtransformierende Ansätze verfolgen? Hier kommt ein drittes, oft ungeplantes Ergebnis ins Spiel: der Verzicht auf Waldbewirtschaftung. Darunter versteht man die Einstellung oder erhebliche Reduzierung aktiver Bewirtschaftungspraktiken wie Holzeinschlag, Durchforsten und Pflanzung (Jandl et al 2019). Es kann auch eine Verschiebung zu nicht holzbasierten Nutzungszielen geben (Boiger et al, under Review).

Dieses Phänomen tritt auf, wenn die nach Störereignissen gestiegenen Kosten sowie der zusätzliche Aufwand und die damit verbundenen Ausgaben für Anpassungsmassnahmen nicht mehr tragbar sind. Das gilt insbesondere für Privatwaldbesitzerinnen, die oft nicht über forstliche Zusammenschlüsse organisiert sind. Allerdings gilt es zu bedenken, dass forstliche Entscheidungen nicht nur ökonomisch motiviert sind (Blennow et al 2014). Die durch den Klimawandel verursachten Auswirkungen führen zudem zu zunehmender Unsicherheit und Frustration bei den Betroffenen, was sich ebenfalls negativ auf die Waldbewirtschaftung auswirkt (Jandl et al 2019). Die Transformation von Waldökosystemen erfordert erhebliche Investitionen und Anstrengungen seitens der Waldbesitzerinnen. Viele von ihnen sind bereits mit finanziellen Einschränkungen oder sich verändernden politischen Rahmenbedingungen konfrontiert. Dazu gehört etwa der wachsende Druck, Klima- und Biodiversitätsziele zu erreichen (Jandl et al 2019, Lawrence et al 2020). Besonders betroffen sind Kleinwaldbesitzer, die häufig nur über begrenzte Ressourcen, kaum Zugang zu Infrastruktur oder internationalen Märkten verfügen und wenig Einfluss auf die Wertschöpfungskette haben (García-Jácome et al 2025).

Reduzierte Waldbewirtschaftung wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Rückgang des Rundholzangebots innerhalb der Holzwertschöpfungskette führen (Schwarzbauer et al 2015). Je nach Eigentümerstruktur könnte die Unterversorgung mehr oder weniger drastisch ausfallen. In Österreich beispielsweise machen private Wälder 81 Prozent der Waldfläche aus (Boiger et al 2025).

Theoretisch treibt eine Angebotsknappheit zwar die Rundholzpreise wieder in die Höhe, und die Waldbewirtschaftung gewinnt dadurch potenziell an Attraktivität zurück. Für jene Waldbesitzer, die vom ursprünglichen Sturm betroffen waren, bringt dieser Preisanstieg jedoch kaum Vorteile, da das erntefähige Holz bereits verloren ist. Die Wiederaufforstung nach solchen Ereignissen gestaltet sich oft schwierig und langwierig, was die Möglichkeit weiter einschränkt, von verbesserten Marktbedingungen zu profitieren (Boiger et al 2025).

Diskussion und Schlussfolgerungen

Obwohl die nationalen Holzmärkte in den letzten 20 Jahren relativ wenig von Störungen betroffen waren (Asada et al 2023), hatten Stürme wie Gudrun, Lothar und Vaia sowie Borkenkäferkalamitäten in Mitteldeutschland und Tschechien durchaus Auswirkungen auf die regionalen Märkte. Ausserdem erhöhen künftig verstärkte Waldstörungsereignisse das Risiko, Kipppunkte zu überschreiten. Eine Modellierungsstudie von Seidl et al (2017) deutet darauf hin, dass durch den Klimawandel verursachte Waldstörungen in ihrer Häufigkeit und Schwere zunehmen und möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf den Holzmarkt haben werden.

Ergebnisse von Bozzolan et al (2024a,b) deuten darauf hin, dass – abhängig von der Ressourcenstabilität – sowohl ein Überangebot als auch Engpässe entstehen können, selbst im Rahmen eines klimaanpassungsorientierten waldbaulichen Zustandes.

Daraus ergibt sich, dass systemstabilisierende Anpassungsmassnahmen auf lange Sicht wahrscheinlich nicht ausreichen. Die Wahl der Anpassungsstrategie bleibt jedoch stark kontextabhängig und wird von individuellen Perspektiven geprägt. Besonders deutlich wird dies in Regionen mit einem hohen Anteil an Kleinwaldbesitzerinnen, wo Entscheidungen fallweise getroffen werden. Auch die Struktur der holzverarbeitenden Industrie und die Kapazitäten zur Verarbeitung unterschiedlicher Sortimente spielen bei diesen Entscheidungen eine wichtige Rolle.

Die klimawandelbedingte Annäherung an Kipppunkte innerhalb der Wertschöpfungskette ist schwer vorhersehbar. Häufig liegt der Fokus daher auf systemstabilisierenden Massnahmen, die sich gut in der bestehenden Infrastruktur der Holzverarbeitung umsetzen lassen. Im Gegensatz dazu sind systemverändernde Anpassungsmassnahmen langwierig und kostenintensiv. Zudem fehlt oft eine Abstimmung zwischen den Akteuren, was die Umsetzung erschwert. Ausserdem ist für Waldbesitzende nicht immer klar, welche Anpassungsmassnahmen zur Systemstabilisierung oder Systemtransformierung in ihrem Wald tatsächlich wirksam und umsetzbar sind. Erhebungen haben ergeben (Hoeben et al 2025), dass Baumarten- und Altersdiversifizierung die bevorzugte Anpassungsstrategie von Akteuren entlang der gesamten Holzwertschöpfungskette ist. Einem Verzicht der Bewirtschaftung hingegen wird deutlich weniger Akzeptanz entgegengebracht. Dies unter anderem, da Investitionen in Anpassungsmassnahmen nicht durch finanzielle Mittel gedeckt werden können, Anpassungsoptionen nicht kosteneffizient sind und die Produkte aus angepassten Waldbeständen nicht vermarktbar sind (Willig et al 2025). Mit Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette kann ein unausgewogenes Risikoverhältnis zwischen Waldbesitzerinnen und Holzindustrie postuliert werden. Insbesondere Kleinwaldbesitzer als erstes Glied der Kette, aber auch kleine Verarbeitungsbetriebe mit begrenzten Vermarktungskapazitäten tragen die grössten Risiken und die Kosten der Klimawandelanpassung. Gleichzeitig sind sie mit der höchsten Dringlichkeit konfrontiert. Andererseits sind solche Marktunsicherheiten für Besitzende eines kleinen Privatwaldes möglicherweise weniger entscheidend, während erwerbsorientierte Besitzende eines grossen Privatwaldes stärker davon betroffen sein könnten. Auch die priorisierte Waldfunktion (z.B. Schutzwaldbewirtschaftung) beeinflusst diese Entscheidungen. Gleichzeitig sind mittelgrosse bis grosse Verarbeitungsunternehmen, die auf überregionaler oder internationaler Ebene agieren, flexibler (Hoeben et al 2025).

Der kritische Zeitrahmen, ab dem es notwendig wird, die Wälder grundlegend anzupassen, fällt nicht zwangsläufig mit dem Zeitrahmen zusammen, in dem Anpassungen in der Holzverarbeitungsindustrie erforderlich sind. Diese zeitliche Diskrepanz verschafft der Industrie Handlungsspielraum, zumindest ausserhalb der von grossflächigen Borkenkäferschäden betroffenen Regionen. Das birgt aber auch das Risiko, potenzielle Anpassungsmassnahmen hinauszuzögern.

Es bleibt wichtig, zu betonen, dass Anpassung keineswegs allein Aufgabe der Waldbewirtschaftung ist. Die Holzwertschöpfungskette steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Verstärkte Waldschäden, Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sowie die wachsende Wahrscheinlichkeit eines teilweisen oder vollständigen Verzichts auf kontinuierliche Waldbewirtschaftung betreffen zunehmend auch die Industrie. Die Herausforderungen beschränken sich damit nicht mehr nur auf vorübergehende Phasen von Überversorgung, sondern umfassen längerfristig auch Versorgungsengpässe.

Forstliche Wertschöpfungsketten hängen von Veränderungen in der Waldbewirtschaftung ab. Die Holzindustrie sollte das wachsende Risiko von Kipppunkten in der Nadelholzversorgung anerkennen und gemeinsam mit Forstakteuren in die Anpassung investieren. Nur durch langfristige Partnerschaften und gezieltes Risikomanagement kann die Resilienz der Wertschöpfungsketten gestärkt werden.

Die aufgezeigten Ansätze (systemtransformierend und systemstabilisierend) sollen mögliche Zukunftsszenarien aufzeigen. Konkrete Massnahmen oder Lösungsvorschläge können jedoch – basierend auf dem aktuellen Wissensstand – nicht formuliert werden, weil die Thematik zu wenig erforscht ist. Hier wäre weitere Forschung nötig, um die Auswirkungen konkreter Massnahmen abschätzen zu können und klare Empfehlungen zu geben.

Eingereicht: 23. Juni 2025, akzeptiert (mit Review): 30. September 2025

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