• Auftakt

Resilienz – eine Einführung

Wälder sind unterschiedlichen Stressoren ausgesetzt. Die Testherde Wisente in Welschenrohr (SO) verändert das sozio-ökologische System der Waldnutzung.
Wälder sind unterschiedlichen Stressoren ausgesetzt. Die Testherde Wisente in Welschenrohr (SO) verändert das sozio-ökologische System der Waldnutzung.

Schwerpunkt · Dossier

David Walker1,*, Marcus Lindner2

1 ask – agil systematisch kreativ GmbH, Hägendorf (CH)
2 European Forest Institute EFI, Bonn (DE)

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird das Konzept der Resilienz auch für die Wald- und Holzwirtschaft immer wichtiger. Aber was genau ist Resilienz? Und was braucht es, um resiliente Systeme zu schaffen? Dieser Artikel führt die weiteren Beiträge der vorliegenden Schwerpunktnummer ein, die aus dem 19. Waldökonomischen Seminar hervorgegangen sind. Er präsentiert die drei grundlegenden Typen von Resilienz, die sich in der Literatur herausgebildet haben. In einer tabellarischen Übersicht sind weitere Begriffe definiert. Nachfolgend werden die wichtigsten Elemente eines Konzepts zur Messung von Resilienz vorgestellt. Abschliessend leiten wir diverse Bedingungen aus der Literatur ab, die ein resilientes System ausmachen. Ob die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft diese Bedingungen erfüllt, lässt sich wegen fehlenden empirischen Untersuchungen nicht beantworten.

Schweiz Z Forstwesen 177 (1): 4–7.https://doi.org/10.3188/szf.2025.0004

* Allerheiligenstrasse 13, CH-4614 Hägendorf, E-Mail david@ask-walker.ch

Dem Begriff «Resilienz» schenken Forschung, Politik und die forstliche Praxis seit einigen Jahren grosse Aufmerksamkeit. Der Grund dafür ist der Klimawandel und die damit verbundenen Fragen zur Anpassung des Waldes und zu den Auswirkungen für die Wertschöpfungskette Wald und Holz. Das Waldökonomische Seminar (WOES) widmete sich bereits zweimal dem Thema.1 2014 fokussierte das erste Seminar unter dem Titel «Klimawandel und Wald – eine ökonomische Sicht» stark auf waldbauliche Fragen. Viele Annahmen von damals – beispielsweise in Bezug auf die Häufigkeit und die Intensität von Stürmen, Trockenheit oder biotischer (Folge-)Schäden – mussten inzwischen revidiert werden. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus dem Wald sowie aus der Wertschöpfungskette Wald und Holz verändert. Entsprechend drängte sich ein zweites Seminar zum Thema Resilienz auf: Im Seminar 2024 beschäftigten wir uns mit den Fragen, was ein resilientes System angesichts klimabedingter Störungen ist und wie Resilienz in der Wald- und Holzwirtschaft gemessen und bewertet werden kann.

Drei Typen von Resilienz

Mit Blick auf die Beiträge in diesem Heft ist es nötig, den auffallend häufigen Gebrauch des Begriffs kritisch zu hinterfragen. In der naturwissenschaftlichen Literatur haben sich drei Definitionen für Resilienz herausgebildet (Abbildung 1):

  • Die technische Resilienz (engineering resilience) beschreibt die Fähigkeit eines Systems, nach einer Störung zu seinem Ausgangszustand zurückzukehren.
  • Bei der ökologischen Resilienz (ecological resilience) wird die ökologische Anpassungsfähigkeit berücksichtigt, die es einem System ermöglicht, beispielsweise vom Klimawandel bedingte Änderungen und Störungen ohne Funktionsverlust zu absorbieren.
  • Die sozialökologische Resilienz (social-ecological resilience) geht einen Schritt weiter und beschreibt die Fähigkeit verbundener natürlicher und gesellschaftlicher Systeme, sich an Störungen oder Veränderungen anzupassen und sich – inklusive aktiver Anpassung der Bewirtschaftung – umzustrukturieren (vgl. Nikinmaa et al 2020).

Die drei aufgeführten Definitionen haben ihre Vor- und Nachteile, grenzen sich jedoch eindeutig vom Begriff der Resistenz oder der Widerstandsfähigkeit ab. Letzterer wird oft und fälschlicherweise als Synonym verwendet.

Ein Konzept zur besseren Anwendung

Lloret et al (2024) haben ein Konzept vorgelegt, das beim Management von Systemen wie der Wald- und Holzwirtschaft helfen soll, Resilienz besser zu verstehen, zu operationalisieren, zu messen und letztlich zu bewerten. Von den acht Elementen des Konzepts sind folgende drei zentral:

  • Resilienz von was? Es ist zentral, welches ökologische oder sozio-ökonomische System oder Teilsystem betrachtet wird (vgl. Carpenter et al 2001, Rist et al 2014, Meuwissen et al 2019). Es ist entscheidend, ob ein Waldbestand, eine Bewirtschaftungseinheit, ein Forstbetrieb oder gar mehrere Kettenglieder der Wertschöpfungskette Wald und Holz betrachtet werden.
  • Gegenüber was soll ein System resilient sein? Störungen und Stressoren wirken in unterschiedlicher Stärke und Dauer auf ein System ein. Ökologische, sozio-ökonomische oder institutionelle Faktoren können eine Rolle spielen. Die Stressoren betreffen unterschiedliche zeitliche und räumliche Skalen, für die Resilienz betrachtet wird (Resilience Alliance 2010).
  • Welches ist der Vergleichswert als Referenz eines Systems, wenn Resilienz operationalisiert werden soll? Nur mit Bezug auf eine Referenz kann Resilienz gemessen und bewertet werden. Relativ einfach ist es bei der «technischen Resilienz». Hier kehrt ein resilientes System in seinen Ausgangszustand zurück. Ein an der Vergangenheit orientierter oder fixer Referenzpunkt ist aber kaum geeignet, falls ein System beispielsweise vom Klimawandel oder von sozio-ökonomischen Transformationen betroffen ist (Lloret et al 2024).

Die ökonomische Perspektive

Das WOES im Jahr 2024 hat versucht, den Fokus auf eine ökonomische Perspektive zu legen, die in der auf Resilienz bezogenen Forschung und Literatur noch kaum eine Rolle spielt. Im Zentrum stand die Frage, wie eine ökonomische Resilienz auf Ebene Bestand, Forstbetrieb sowie Wertschöpfungskette Wald und Holz gemessen werden kann. Was wären geeignete Variablen und Methoden, um ein System zu beschreiben und dessen Resilienz zu messen? Die Beiträge dieser Schwerpunktnummer geben Einblick in Arbeiten zu unterschiedlichen ökologischen und sozialen Systemen (Resilienz von was?). Sie illustrieren sowohl Herausforderungen als auch Lösungsansätze von Forschung und Praxis. Wenig überraschend hat das Seminar nicht nur eine einzige Lösung hervorgebracht.

Möbius et al (2026, Seite 16) leiten Variablen her und wenden sie an Modellen für Bestand und Forstbetrieb an. Flückiger (2026, Seite 46) stellt eine in der Praxis umgesetzte Strategie zur Anpassung auf Bestandesebene vor. Rosset et al (2026, Seite 40) haben das von Lloret et al (2024) vorgeschlagene Konzept zusammen mit zwei Schweizer Forstbetrieben in die Praxis übertragen. Brudermann et al (2026, Seite 8) diskutieren einen stabilisierenden und einen transformierenden Ansatz zur Anpassung an den Klimawandel und deren Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette Wald und Holz.

Und die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft?

Unabhängig von der Herausforderung, Resilienz zu definieren und zu operationalisieren, ist für die Akteure der Wertschöpfungskette Wald und Holz von Interesse, welche Fähigkeiten und Werkzeuge für ein resilientes System vorausgesetzt werden müssen. Darüber hinaus müssen wir wissen, welche Rahmenbedingungen ein System unterstützen, um resilienter zu werden – oder dabei eher hinderlich sind. Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Transformierbarkeit sind Fähigkeiten eines resilienten Systems (Walker et al 2004, Meuwissen et al 2019). Positiv wirkt sich aus, wenn das betroffene System und sein Umfeld divers, offen, vernetzt und modular aufgebaut sind sowie über ausreichend Ressourcen verfügen (Resilience Alliance 2010, Carpenter et al 2012).

Wie steht es vor diesem Hintergrund um die Resilienz der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft? Leider fehlt es bislang an empirischen Untersuchungen. Für die Schweiz bieten sich zum Beispiel die Trockenschäden im Jura der vergangenen Jahre, das Projekt «Wisent Thal» oder die von starken Schneefällen an der Lötschberg-Südrampe verursachten Schäden als Fallstudien an, anhand derer diverse Merkmale von Resilienz untersucht werden könnten.

Waldökonomisches Seminar und waldökonomischer Wissenstransfer

Das 19. Waldökonomische Seminar mit dem Titel «Resilienz der Wald- und Holzwirtschaft angesichts zunehmender klimabedingter Störungen» fand am 11. und 12. November 2024 auf dem Schloss Münchenwiler (BE) statt. Teilnehmer und Referentinnen kamen aus der Schweizer, deutschen und österreichischen Forschung und Praxis.

Am 22. Mai 2025 fand der waldökonomische Wissenstransfer an der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL) unter dem Titel «Wege und Hindernisse der Waldbewirtschaftung im Klimawandel» statt. Mit Referaten und Workshops wurden Erkenntnisse aus dem Waldökonomischen Seminar an Personen aus der forstlichen Praxis weitergegeben.

Literatur

  • BRUDERMANN A et al (2026)

    Resilienz in der Wertschöpfungskette Holz: Wechselwirkungen und Abwägungen zwischen Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Schweiz Z Forstwes 177 (1): 8–15.https://doi.org/10.3188/szf.2026.0008

  • FLÜCKIGER S (2026)

    Resilienz auf Bestandesebene im Klimawandel – antifragile Konzepte für die Forstwirtschaft. Schweiz Z Forstwes 177 (1): 46–48. doi.org/10.3188/szf.2026.0046

  • MOEBIUS FW, Fibich J, Paul C, Fuchs JM (2026)

    Wie lässt sich die ökonomische Resilienz von Forstbetrieben untersuchen? Schweiz Z Forstwes 177 (1): 16–24. doi.org/10.3188/szf.2026.0016

  • RESILIENCE ALLIANCE (2010)

    Assessing resilience in social-ecological systems: Workbook for practitioners. Version 2.0.

  • ROSSET C, Berli C, Oberson T, Pauli B (2026)

    Être au clair avec la notion de résilience et sur son application concrète. J For Suisse 177 (1): 40–45. doi.org/10.3188/szf.2026.0040

  • SEIDL R et al (2019)

    Resilienz gegenüber Störungen. In: Wohlgemuth T, Jentsch A, Seidl R (eds) Störungsökologie. Bern: Haupt Verlag. pp 91–107.

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